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Fakten zur Situation der Kirche
Konzentration
auf die Zukunft! 10 Fakten zur Situation der Kirche
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| In den
folgenden zehn Thesen haben wir die aus unserer Sicht
wichtigsten Fakten zur Situation von Kirche und Religion
zusammengestellt. Unsere Behauptung ist, dass eine
Neuausrichtung der Kirche, die diese Fakten nicht
vorrangig in den Blick nimmt, scheitern wird. Alles, was
wir hier sagen, ist gut bekannt und scheint deswegen zum
Teil banal zu sein. Gerade dies belegt aber nur seine
entscheidende Bedeutung. Die Zukunft der Kirche in
Deutschland entscheidet sich nicht an irgendwelchen
sensationellen, neuen Erkenntnissen und entsprechenden Veränderungen, sondern an der Bewährung des Glaubens in den Trivialitäten der alltäglichen Lebenswelt der Menschen. |
Die 10 Thesen...
1. Frühkindliche Sozialisation ist entscheidend |
| Wer in seinem
Leben nicht frühzeitig als Kind oder spätestens als
Jugendlicher mit Kirche, Religion und Glauben in Berührung
kommt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum eine
Chance, in späteren Lebensjahren ein positives Verhältnis
zu Kirche und Religion zu entwickeln. Dies gilt über
die innere Einstellung hinaus für die Beteiligung am
kirchlichen Leben überhaupt und insbesondere an den
Gottesdiensten.
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2. Alles hängt an der Familie |
| Die
Entwicklung kirchlich-religiöser Bindungen hängt in
hohem Maße von der frühen Vermittlung durch vertraute,
emotional bedeutsame Bezugspersonen ab. Hierzu zählt in
den ersten Lebensjahren vor allem die Familie (Mutter,
Vater, Großeltern). Für die Grundlegung
kirchlich-religiöser Bindungen von zentraler Bedeutung
ist daher das Verhältnis der familiären Bezugspersonen
zu Kirche und Religion, welches wiederum stark von
kirchlich tradierten Familienbildern abzuhängen
scheint. So kommt es z.B. dann, wenn keine vollständige
Familie vorhanden ist, in einem überproportionalen
Ausmaß z.B. zu Taufunterlassungen. Wird eine
kirchlich-religiöse Sozialisation in diesem
Zusammenhang versäumt, ist sie nur schwer durch sekundäre
Institutionen wie Kindergarten, Schule oder oder
Kindergottesdienst nachzuholen.
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3. Kirchliche Kompetenz für Kinder wird breit anerkannt |
| Das stärkste
Interesse der „durchschnittlichen Evangelischen“ an
kirchlicher Arbeit richtet sich – neben den kasuellen
Diensten und diakonischen Aufgaben der Kirche – auf
ihre Kinder- und Jugendangebote bzw. auf all das, was
sich um Familie und Familienwerte herum gruppiert. Von
allen Kompetenzbereichen, die die Kirche abdecken kann,
wird ihr in diesen Bereichen von der Gesellschaft am
meisten zugetraut.
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4. Autonomie der Individuen |
| Über die
Teilnahme an Angeboten der Kirche entscheidet jeder und
jede Einzelne in ihrem jeweiligen sozialen und
kulturellen Kontext autonom. Inhaltliche Vorgaben und
Beteiligungserwartungen der Kirche bzw. des Glaubens
werden ggf. interessiert zur Kenntnis genommen, spielen
aber als solche für eigene Entscheidungen keine
ausschlaggebende Rolle.
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5. Mehr Erwartungen – mehr Distanz |
| Die
Evangelischen Kirchen in Deutschland beruhen auf der
Mitgliedschaft vieler, die sich nicht an ihr beteiligen,
sie aber auch nicht verlassen. Je drängender die
Beteiligungserwartungen der Kirche sind, desto mehr
Mitglieder gehen auf Distanz. Und: Je eindeutiger die
Glaubensaussagen der Kirche sind, umso weniger Menschen
stimmen ihnen zu. Insofern sorgt die Kirche durch eine
gewisse Uneindeutigkeit ihrer Kommunikation für
Integration.
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6. Beteiligung an Kirche auch ohne Religion |
| Für eine
beträchtliche Zahl von Mitgliedern der Kirche haben
Religion und Glauben keine besondere Bedeutung. Viele
von ihnen sind gleichwohl bereit, sich aktiv in der
Kirche zu engagieren und tun dies auch. Sie wird hier
als eine wichtige kulturelle und wertbezogene
Institution in der Gesellschaft geschätzt.
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7. Soziale Schließung in den Kirchengemeinden |
| Der aktive
Kern der Hochverbundenen und in der Kirche ehrenamtlich
Tätigen weist gegenüber der Mehrheit der Evangelischen
deutliche Kennzeichen sozialer Schließung auf. Für sie
wird ein „Programm“ gestaltet, das höchstens für
zehn Prozent der Kirchenmitglieder attraktiv ist – und
schon viele der „Kirchentreuen“ nicht erreicht.
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8. Probleme beim Gewinnen Neuer |
| Die Kirche
hat ein großes Potential an ehrenamtlich Tätigen, die
traditionalen Dienst-Werten verpflichtet sind. Das
Gewinnen von neuen Ehrenamtlichen bzw. Freiwilligen ist
aber in den letzten Jahren schwieriger geworden. Mit
ihren gegenwärtigen Arbeitsstrukturen und Bildern vom
Ehrenamt hat die Kirche wenig Chancen, jüngere Menschen
für die Mitarbeit zu gewinnen.
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9. Abbrüche unter 20- bis 40-Jährigen |
| Der Blick auf
die Gesamtaustrittsquote verschleiert die großen Abbrüche,
die sich in den letzten Jahrzehnten im Bereich der 20-
bis 40-Jährigen vollzogen haben. Nach wie vor scheint
der Eintritt ins Erwerbsleben der entscheidende
distanzierende Faktor zur Bindung an die Kirche und der
Beteiligung an ihren Angeboten zu sein. Die eigene
Lebenswirklichkeit und eine Bindung an die Kirche
scheinen in dieser Phase schwer vereinbar.
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10. Ambivalentes Image von Kirche |
| Für die Mehrheit der Mitglieder verdichtet sich das Image der Kirche zu einer „Kirche der anderen“. Die Kirche wird demgemäß dann anerkannt, wenn sie sich um diejenigen kümmert, die in der Gesellschaft am Rande stehen, weil sie entweder noch nicht oder nicht mehr in den aktiven Prozess eigener Lebensbewältigung einbezogen sind. Darin liegt die Stärke der Kirche wie auch ihre Schwäche. |
| epd
Dokumentation 27/2007 Konzentration auf die Zukunft! Die wichtigsten Fakten zur Situation der Kirche aus kirchen- und religionssoziologischer Sicht
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