Oldenburg (epd). Oberkirchenrat Dieter Schrader hat 21 Jahre lang die Gesetze und das Vermögen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg gehütet. Am Montag wird der leitende Jurist einen Tag vor seinem 63. Geburtstag in der Oldenburger Lamberti-Kirche in den Ruhestand verabschiedet. Das heißt im Selbstverständnis eines Dieter Schrader: Nach der Feier geht es wieder an den Schreibtisch. "Schließlich habe ich einen Arbeitsvertrag bis zum Monatsende."
Schrader ist so etwas wie der Finanz- Bau- und Justizminister der Kirche in einer Person. Was immer mit Geld in der oldenburgischen Kirche zu tun hat, muss erst die Hürde über seinen Schreibtisch nehmen. "Dabei wollte ich nie etwas mit Finanzen, Personal und Baupolitik zu tun haben", sagt der dreifache Vater lachend. 13 Jahre lang arbeitete der Jurist im Bonner Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, am Ende sogar als Regierungsdirektor, bevor er 1985 in den Oberkirchenrat wechselte.
Die Kirche und der Glaube spielte von je her eine große Rolle in seinem Leben. "Schon als Jugendlicher bin ich in Nordenham regelmäßig in den Gottesdienst gegangen", bekennt der gebürtige Breslauer. Doch vor die Frage gestellt, ob er Theologie oder Jura studieren wolle, entschied er sich für die Gesetze. "Ich wusste nicht, ob mich mein Glaube mein Leben lang hindurch trägt", sagt er nachdenklich. "Der Gedanke, nach zehn oder 15 Jahren im Pfarramt festzustellen, 'das ist nichts für mich', war zu fürchterlich."
"Ich wollte nie die Kirche verändern, sondern ihr dienen und für andere da sein", sagt Schrader. In wenigen Wochen diskutiert die Synode über ein neues Modell der Kirchenleitung. "Das werde ich mir nicht mehr antun." Der kirchlichen Basis, und dazu zählt er auch die Pastorinnen und Pastoren in den Gemeinden, gilt sein größter Respekt. "Das gilt ganz besonders für die Leute in den Besuchskreisen. Es gibt so viel Einsamkeit. Da ist es gut, wenn die Menschen wissen: In der Not hilft mir die Kirche."
Wer als Schatzhüter der Kirche arbeitet, macht sich nicht nur Freunde. "Das strengt manchmal an", gesteht er. "Darum schöpfe ich immer wieder Kraft im Kloster Amelungsborn." Vor 30 Jahren wurde er von der dortigen Zisterzienser-Bruderschaft, der "Familiaritas", als Novize aufgenommen. Dieser Gemeinschaft gehören etwa 40 evangelische Männer aus unterschiedlichen Berufen und Lebenssituationen in ganz Deutschland an. Elfmal im Jahr treffen sie sich im Kloster, um die Stundengebete der Zisterzienser zu beten. Inzwischen ist Schrader gewählter Senior der Bruderschaft.
Auch im Ruhestand will Schrader nicht von seiner Oldenburger Kirche und ihren 123 Gemeinden lassen: "Ich will in der Gruppe mit dem Rad von Kirchturm zu Kirchturm fahren", sagt er mit strahlenden Augen. Und wenn etwas Zeit ist, dann holt er seine Kamera mit dem großen 600-Millimeter-Objektiv heraus. Denn das ist seine geheime Leidenschaft: Detailfotos von schön geschnitzten Altären.
(epd Niedersachsen-Bremen/b2534/22.09.06)
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