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Die Kirchengemeinde Kreyenbrück, Bümmerstede, Sandkrug und Wardenburg werden zu einem Seelsorgebezirk zusammengefasst. Aus 9 Kirchengemeinden in Wilhelmshaven werden drei – nein, nicht bei uns sondern im bischöfl. Offizialat Vechta. Eine zentrale Entscheidung wird umgesetzt. Das ist bei uns so nicht möglich und darf so auch nicht sein.
Unser Weg muss der einer umfassenden Partizipation, Information und Diskussion aller Betroffenen sein, der veränderungsoffen beschritten wird. Aber, auch dieser Weg muss zu vertretbaren Ergebnissen führen.
Denn, entweder wir gestalten die erkennbaren Veränderungen jetzt oder sie brechen über uns herein. Die Leugnung dessen, was vor Augen liegt, ist unverantwortlich, aber noch halten wir am Gewohnten, Bewährten fest. Veränderungen werden als bedrohlich erlebt, und so entsteht eine Bunkermentalität der Besitzstandswahrer.
Ist das alles, was heute zu sagen ist? Nein. Gott sei Dank nein, denn um G. Galilei zu zitieren: Und sie bewegt sich doch! Hier ist natürlich die oldenburgische Kirche gemeint. Es gibt viele, die die Veränderung als Chance begreifen.
Daher will ich zunächst ausdrücklich allen danken, die in Kirchengemeinden, Pfarrkonventen, Kreissynoden und Verwaltungsämtern die anstehenden Fragen aufgegriffen und diskutiert haben. Aber auch die vielen engagierten Mitglieder der Projekt- und Arbeitsgruppen in unserem Prozess sollten wenigstens einmal öffentlich hören, dass ihre Mitarbeit unseren Dank verdient.
Nein, ich vergesse gar nicht, dass die vorgeschlagenen Lösungen sehr kontrovers sind und manchmal erkennbar interessengeleitet. Aber ich halte dies für selbstverständlich in einer Kirche, die den Diskurs will. Unterschiede müssen kreativ bearbeitet werden, um eine gangbare Lösung zu finden. dabei kommt der Auswahl sachgemäßer Verfahren eine große Bedeutung zu.
Die Steuerungsgruppe hat Ihnen zu zwei Arbeitsbereichen Beschlussanträge vorgelegt, die zugleich Verfahrensvorschläge enthalten. Im folgenden berichte ich Ihnen über den Stand der Diskussion in den Projekt- und Arbeitsgruppen. Sie erhalten dadurch zugleich eine Übersicht über die Arbeitspapiere, die wir Ende Januar 2006 – wie versprochen und angekündigt – in die Ausschüsse der Synode geben werden. Diese Arbeitspapiere enthalten dann auch Beschlussvorschläge. Wir werden einige Beschlüsse in 2006 fassen können, andere voraussichtlich erst in 2007. Die grundsätzlichen Entscheidungen sollen aber bis zum Ende der Legislatur der 46. Synode getroffen werden.
Beginnen möchte in dem materiellen Bereich des Berichts mit der Hard-ware. Also den Finanzen. Wir gehen gegenwärtig davon aus, dass die errechnete Ausgabenminderung von 12,5 Millionen Euro auf der Basis von 2003 bis 2010 in Höhe von 8,2 Millionen Euro erreichbar ist. Es ist bekannt, dass die Einsparungen im Bereich der Gemeindepfarrstellen erst bis etwa 2015 erreicht werden können, d. h. von ca. 3 Millionen Euro sind bis 2010 erst 2 Millionen einsparbar. Hier muss redlicherweise gesagt werden, dass dies so nur stimmt, wenn wir die nächsten 10 Jahre keine Einstellungen vornehmen würden. Wenn wir – über Anstellungsmodalitäten und Vergütungen werden wir demnächst reden müssen – für diejenigen, die gegenwärtig in der Ausbildung und im Probedienst sind und für zukünftig pro Jahr etwa 2 in den Dienst zu übernehmenden Personen einen Korridor offen halten wollen, so müssen wir dafür einen Sonderetat bilden, der nur durch Rücklagenentnahme finanziert werden kann. Wir halten eine solche Maßnahme für sinnvoll und erforderlich.
In den 8,2 Millionen sind noch nicht enthalten die angestrebten Einsparungen bei den Personalkosten für Kindertagesstätten. Die Verhandlungen mit dem Städte- und Gemeindebund über einen Rahmenvertrag, der wirklich nur ein Rahmen für die Vertragspartner (Kommunen u. Kirchengemeinden) sein kann, haben ergeben, dass auch mit erweiterten Mitsprachebefugnissen beim Leitungspersonal und einer Änderung der Verwaltungskostenpauschale zu rechnen ist. Nicht auszuschließen ist, dass vereinzelt Kommunen auch die Änderung der Trägerschaft anstreben könnten.
Zum Bereich der Hard-ware gehört nun sicherlich auch die Frage der Struktur der Kirchenverwaltung. Ich habe im "Vorwort" die Diskussion schon angesprochen. Hier geht es auch um Macht- und Herrschaftsfragen, um Besitzstände und Einflussmöglichkeiten. Natürlich sehen wir diese nie bei uns selbst, sondern immer nur bei den anderen. Wir stehen unter dem Diktat der größtmöglichen Einsparung, wir haben aber auch die Struktur unserer Kirche zu beachten. Die Erfahrungen der Debatten der letzten Monate sprechen dafür, nicht von einem schon festgelegten Modell auszugehen, sondern mit allen Beteiligten ein ergebnisoffenes Verfahren zu suchen, in dem an den Abläufen und Aufgaben der Verwaltung orientiert, die Ebenen bestimmt werden, auf denen diese sachgemäß und sparsam anzusiedeln sind. Eine Beschlussempfehlung liegt Ihnen vor.
Die Synode hat ausdrücklich beschlossen, dass auch die Struktur der kirchenleitenden Organe in diesen Prozess einer Überprüfung einbezogen werden sollen. Wir legen Ihnen daher eine Beschlussempfehlung für die Zuordnung der Organe vor mit der Bitte, eine so grundsätzliche Frage zunächst in einer synodalen Arbeitsgruppe zu erörtern, die in 2006 der Synode ihr Ergebnis vorlegen soll. Die Steuerungsgruppe wird sich weiterhin mit der inneren Struktur des Organs Oberkirchenrat beschäftigen und in 2006 ebenfalls eine Beschlussvorlage der Synode übermitteln.
Ich komme jetzt zu einer Übersicht der Vorlagen, die wir Ende Januar 2006 allen Ausschüssen zur Bearbeitung und Beratung vorlegen werden. ich gehe von Ihrem Einverständnis darüber aus, dass wir unsere Beratungsvorschläge dann auch den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitteilen. Dies scheint mir, nach fast 37 Jahren Dienst in der oldenburgischen Kirche der einzige Weg zu sein, den Umfang von Spekulationen, Verdächtigungen und Unterstellungen wenigstens auf das bei uns übliche Maß zu reduzieren. (Anmerkung)
Nun zu den Themenfeldern: Im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit werden wir einen Rahmenplan sowohl zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vorlegen wie zur Publizistik in unserer Kirche. Wir werden nachzudenken haben über ein professionell organisiertes Fundraising. Zur Umsetzung der Einsparung bei den Beratungsstellen wird Ihnen ein Vorschlag vorgelegt werden.
Die Bereiche Bildungsgesamtplan, Regionalisierung und Kooperation, Pfarramt und Ehrenamtlichkeit muss ich zusammenhängend vortragen. Uns ist sehr deutlich geworden, dass hier die Fragen der Inhalte und Aufgaben eng verbunden sind mit den Strukturen und den Handlungsebenen. Daher wollen wir versuchen, in Klausursitzungen im Dezember und im Januar die Ergebnisse zu vernetzen und somit eine in sich stimmige Struktur vorschlagen. Im Blick auf veränderte Herausforderungen und geringere finanzielle und personelle Strukturen wird es darum gehen, andere Arbeitsformen vorzuschlagen und Erprobungsmodelle anzuregen. Dabei geht es um die Aufgabenpläne und Konzeptionen auf der Gemeindeebene und der Kooperation in der Nachbarschaft. Wir arbeiten an einem Modell von sechs Kooperationsregionen, in denen inhaltlich Jugendarbeit, Bildungsarbeit, Begleitung und Fortbildung von Ehrenamtlichen sowie Öffentlichkeitsarbeit organisiert werden sollen. Über die Organisationsstruktur, die rechtlichen und finanziellen Bedingungen solcher Regionen wird ebenfalls nachgedacht.
In der Arbeitsgruppe Ehrenamt geht es darüber hinaus um die grundsätzliche Bedeutung der differenziert zu betrachtenden Aufgaben der Ehrenamtlichen, hier sind Grundsätze und Leitlinien zu entwickeln.
Erst in einem weiteren Schritt ist dann darzustellen, welche gesamtkirchlichen Aufgaben notwendigerweise auf zentraler Ebene anzusiedeln und wie sie auszustatten sind.
Noch nicht geklärt, aber zu klären sind die Fragen nach der Organisation und den Inhalten der Visitation.
Ich kann nur hoffen, dass es mir ein wenig gelungen ist, Ihnen deutlich zu machen, dass wir diese Themenbereiche nur sinnvoll aufeinander abgestimmt darstellen können. Wie gesagt, wir arbeiten daran.
Wir werden Arbeitsfelder aufgeben, zusammenlegen und umstrukturieren müssen. Um Neues anfangen zu können, werden wir manches auch lassen müssen, dies ist naturgemäß und besonders in einer Kirche nicht einfach.
Wir stehen, dies ist ungewohnt, vor Entscheidungen, die auch Einschränkungen beinhalten.
Liebe Mitsynodale, mit dem kommenden Samstag endet das Kirchenjahr, natürlich beginnt das neue Kalenderjahr erst mit dem 01.01.2006. Aber lassen Sie uns heute schon einmal vorausblicken auf die Jahreslosung 2006. In der Einheitsübersetzung lautet sie: "Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht". Dieses Wort gilt Josua, dem Nachfolger des Mose, in einer Situation des Um- und Aufbruchs. Dieses Wort gilt dem Volk Gottes als Israel und es gilt der Kirche, die aus der lebendigen Gegenwart Gottes lebt und leben wird. Weil dies die grundlegende Gewissheit des Glaubens ist, ist es möglich, ebenso mutig wie bedachtsam neue Wege zu suchen, uns auf Veränderungen einzulassen.
Dieter Qualmann
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