Kirche und Ehrenamt - Kirche der Ehrenamtlichen ...

Ehrenamt & Gottesdienst

   

Das Lektorenamt

in Oldenburg

      

 


Das Lektorenamt - ein Ehrenamt

für lebendige Gemeinden

Die Grundlagen und Aufgaben des Lektorendienstes und der Weg der Ausbildung und Weiterbildung

von Pfarrer Thomas Ehlert,

landeskirchlicher Lektorenbeauftragter von 2001-2006,

z.Zt. kommissarisch

1.  Grundlagen und Aufgaben

Grundlage des Lektorenamtes in der Ev.- luth. Kirche in Oldenburg sind die Richtlinien über die vorläufige Ordnung des Lektorenamtes (Lekt0 4.04) vom 26. Juni 1975.

  Lektoren nach B, die mindestens 2 Lektorenkurse mit Erfolg besucht und eine Beauftragung erhalten haben,  können öffentlich im Gottesdienst Lesungen bzw. Abkündigungen übernehmen und an den Gebeten mitwirken bzw. den Gebetsdienst übernehmen und bei der Austeilung des Heiligen Abendmahls mitwirken. In Ausnahmefällen sollen Lektoren auch eine Lesepredigt halten sowie den vollständigen liturgischen Dienst eines Predigtgottesdienstes übernehmen können. Das hängt dann jeweils von Begabung, Erfahrung und örtlichen Erfordernissen ab.

   

2. Das Lektorenamt-ein Ehrenamt für lebendige Gemeinden

Das ehrenamtliche Engagement von Lektorinnen und Lektoren macht deutlich: In der evangelischen Kirche tragen nicht nur die hauptamtlichen Pfarrerinnen und Pfarrer die Verantwortung für den Gottesdienst. Die Ehrenamtlichen praktizieren damit das „Priestertum aller Gläubigen“.

 Gemeinden, die den Dienst von Lektorinnen und Lektoren annehmen und fördern, gewinnen:

aktive Gemeindeglieder mit liturgischer Kompetenz 
breitere Verantwortung für den Gottesdienst
lebendigere Gottesdienste
Lektoren und Lektorinnen
bringen ihre Berufs- und Lebenserfahrung in den Gottesdienst ein,
werden von der Gemeinde gerne als „einer oder eine von uns“ angesehen
werden dadurch häufig zu Ansprechpartnern im Blick auf das tägliche Christsein.
      

3.  Verhältnisbestimmung der Dienste im Amt der Verkündigung

Wir brauchen eine gute Verhältnisbestimmung der verschiedenen Dienste, die alle am kirchlichen Amt der Verkündigung im öffentlichen Gottesdienst teilhaben.

In bezug auf das ordinierte Amt und die ehrenamtliche Beauftragung zum Verkündigungsdienst stehen wir binnenkirchlich vor der Aufgabe, das Ehrenamt als priesterlichen Dienst mehr und mehr ins kirchliche Leben zu integrieren und umgekehrt die Würde des berufsmäßigen pastoralen Dienstes keinen Schaden nehmen zu lassen. Balancen sind zu erstreben und zu erhalten. Ohne die Orientierungsleistungen einer professionellen Theologie wird die Kirche erst recht zu einer Randerscheinung.

Mir begegnen Lektoren, die sind so etwas von pastoral, das ich mich frage, wo haben die das her? Die sind noch pastoraler als der „pastoralste“ Pfarrer. Das muss nicht sein. Sie brauchen uns nicht nachzumachen. Sie haben ihre eigene Würde und die Chance, mit einer unverquasten weltlichen Sprache die Ohren derjenigen zu erreichen, die sich danach sehnen, dass Klartext über das Christsein geredet wird. Original und originell. Verständlich und verstehbar.

Es braucht Zeit und Geduld und Beharrlichkeit und vor allem: eine geeignete Förderung, die die ehrenamtlichen Verkündiger bei ihren ureigenen Chancen und Möglichkeiten behaftet. Sie sind keine Ersatz-oder Minipastoren. Wer das als Lektor trotzdem will, wird zum “Abziehbild” seines Pfarrers, verletzt seine eigene Würde und verweigert sich dem Weg zur eigenen Selbstwerdung. Es geht bei dem Dienst von Lektorinnen und Lektoren nicht darum, das theologische Milieu zu verdoppeln, sondern Gaben engagierter Gemeindeglieder zum Nutzen der ganzen Gemeinde zu fördern. Die ehrenamtlichen Gottesdienstmitarbeiter müssen den Mut aufbringen, sich ihrer Kernkompetenz zu bedienen: das mit Glaubenserfahrung verschränkte Alltagswissen einfließen zu lassen in die Art und Weise, das Wort Gottes weiterzusagen.

Treffend hat jemand einmal formuliert: “Gott erwartet in der Regel nichts von uns, wozu er uns nicht auch gleichzeitig begabt.Gott mutet uns manchmal Aufgaben zu, an denen unsere Gaben wachsen können. Entsprechen sich Gabe und Aufgabe auf Dauer nicht, schadet man sich selbst und der Gemeinde.” (aus: Mit Ehrenamtlichen arbeiten, Braunschweig, 24) Gabenorientierung ist angesagt. Die Rede vom Allgemeinen Priestertum aller Gläubigen braucht die Ergänzung einer Charismenlehre und das klare Ziel, dass da für die Gemeinde etwas Gutes herauskommen soll.

    

4. Der Weg zum Lektor/ zur Lektorin

4.1 Voraussetzungen

In unseren Anmeldeprospekten steht folgende Formulierung:  Sie sind Gemeindeglied der Evangelisch- luth. Kirche in Oldenburg und sind mindestens 16 Jahre alt.  Sie fühlen sich in einer Kirchengemeinde zu Hause. Sie haben Interesse an der Bibel und am kirchlichen Leben. Sie möchten die Botschaft des Evangeliums anderen Menschen weitergeben und haben Freude am Lesen, Vorlesen und an der Sprache. Sie sind bereit, an einem Grundkurs und an einem Fortbildungskurs teilzunehmen und sich weiterzubilden. Wer in der Regel an mindestens 7 Kursnachmittagen teilgenommen hat, bekommt einen Kurs anerkannt. Die Einführung in das Amt als Lektor/in erfolgt erst nach dem Besuch von zwei Kursen.

     

4.2. Die  Organisation der Ausbildung

Die landeskirchliche Lektorenausbildung ist in regionalen Kursen organisiert. Für jede Region gibt es einen Regionalbeauftragten, der die Kurse organisiert. Die acht Seminarnachmittage finden samstags von 15-19 Uhr im Winterhalbjahr von Oktober bis März  statt. Die Jahreszeit hat den Vorteil, dass fast niemand durch Urlaubsreisen an der Teilnahme gehindert ist. Der Tagungstag und die Zeit  ermöglichen die Teilnahme  aller Generationen, auch der berufstätigen Gemeindeglieder. Auch die Pfarrerinnen und Pfarrer, die ja in der Regel ein Pfarramt versehen, sind mit dieser Zeit- und Tagesstruktur problemlos als Dozenten zu gewinnen. Die Kurse finden in Gemeindehäusern statt.  In manchen Kursen wie in Oldenburg und „Längs der Weser“ hat sich sogar ein Wechsel der gastgebenden Gemeinden und damit der Gemeindehäuser ergeben. Das wird von der Mehrheit der  Lektorinnen und Lektoren aus Gründen der Hoizonterweiterung  positiv aufgenommen. Dieses Verfahren verteilt auch die Mühen hauswirtschaftlicher Vor-und Nachbereitung auf mehrere Schultern.

 In der Regel enthält jeder  Regionalkurs ein Grundkursangebot sowie ein Fortbildungsangebot.

 Die Regionalisierung der Arbeit hat viele Vorteile: Sie wird den unterschiedlichen Bedürfnissen, Arten von Kirchlichkeit,  Prägungen und Kontexten  gerecht, wie sie in unserer Kirche zu finden sind. Jedem Kenner der Szene ist klar, wie unterschiedlich die Gemeinden, die Lebens- und Glaubenswelten zwischen Wilhelmshaven, Wesermarsch und Vechta  sind.  Region bedeutet für die Lektorinnen und Lektoren: relativ kurze Fahrtwege.Interessierte Gemeindepfarrer/innen der Region und überregional beauftragte Pfarrer/innen werden eingebunden, so dass die inhaltliche Arbeit auf vielen Schultern ruht.

    

4.3. Anmeldung

Im Rahmen der  „Informationen des Oberkirchenrates“ werden in der Regel im September eines Jahres die Programme der regionalen Lektorenkurse an die Gemeinden, Werke und Einrichtungen verschickt. In den Programmen sind auch Anmeldeformulare zu finden. Die Anmeldung senden Sie bitte für den Grundkurs über Ihre Gemeindepfarrer/in und für die Einführungs-bzw. Fortbildungskurse  direkt an den: „Ev. Lektorendienst, Postfach 1709,26007 Oldenburg. 

   

4.4. Das Profil  der Lektorenkurse

Für die unter 1.  skizzierten Aufgaben  leisten die Lektorenkurse ihren Bildungs- und Ausbildungsbeitrag. Denn:   Der Lektor /die Lektorin muß fähig sein, sich Gebete und Schriftlesungen sowie Predigten inhaltlich anzueignen und sie sachgemäß und deutlich vorzutragen.

 Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen den Ablauf des Gottesdienstes, die Liturgie, kennen und zu verstehen. Sie lernen, sich in Gesangbuch und Agende zurechtzufinden, evtl.sogar Fürbitten zu formulieren und eine vorgegebene Lesepredigt dem eigenen Sprachstil anzugleichen.   In dieser Ausbildung haben sowohl praktische Fertigkeiten als auch theologische Elementarbildung neben „tages-theologischen Fragestellungen“ ihren Ort. Die Lektorenausbildung  arbeitet im Feld einer „Theologie für Nichttheologen“  und versucht an der Schnittstelle von wissenschaftlicher Theologie und gelebter Religion bzw. Frömmigkeit, die wissenschaftlich- theologischen Inhalte zu alphabetisieren und zu elementarisieren. Innerhalb dieser Ausbildung werden individuelle Klärungen hinsichtlich von Glaubens-, Lebens- und Handlungsorientierungen möglich, und das in einem Umfeld, das weit über den „Tellerand der eigenen Gemeinde“ hinausreicht . Einen wichtigen Platz nimmt der gegenseitige Austausch und das Gespräch über Lebens- und Glaubensfragen ein. Teilnehmer/innen sind in der Regel interessierte Gemeindeglieder, die vielfach nicht nur ihr Engagement für den Gottesdienst, sondern auch für den Gemeindekirchenrat und für andere Felder der Gemeindearbeit entdeckt haben. Somit ist die Lektorenarbeit ein Feld der kirchlichen Bildungsarbeit, dessen Früchte  sehr direkt ins Zentrum der Gemeinde zurückfließen und der „Arbeit vor Ort“ zugute kommen. Solche Bildungsfrucht ist z.B., daß aktive Gemeindeglieder vermehrte Sprach- und Dialogfähigkeit in Glaubensangelegenheiten gewinnen und in ihrer theologischen Urteilskraft gestärkt werden. Das kann für den weiteren Gemeindeaufbau und für das, was an Veränderungsprozessen kommt, nur hilfreich sein.

   

5. Zukunftsperpektiven

Als 5. Leuchtfeuer heißt es in der Schrift: „Kirche der Freiheit“ (2006): „Auf Gott vertrauen und das Leben gestalten- das Priestertum aller Getauften und das freiwillige Engagement   

Als Kraftquellen der evangelischen Kirche fördern. Im Jahr 2030 hat die evangelische Kirche das Verhältnis zwischen den ins Ehrenamt Ordinierten, Prädikantinnen und Prädikanten sowie Lektorinnen und Lektoren und dem Amt der hauptberuflichen Pfarrerinnen und Pfarrer eindeutig und überzeugend gestaltet. Der ehrenamtliche Dienst und nicht hauptamtliche Dienst erfährt- auch in der Beteiligung am Verkündigungsauftrag der Kirche – eine klare Würdigung.“

   

5.1 Schritte auf dem Weg in die Zukunft   

Dass zukünftig  ein Konzept einer kompatiblen Lektoren und Prädikantenausbildung aller EKD- Kirchen entwickelt werden wird, wird auch auf die hiesige Arbeit beeinflussen.  Sind Standards formuliert, die Vergleichbarkeit und die Anerkennungsfähigkeit von Ausbildungsgängen der verschiedenen Gliedkirchen erreicht, wird das auf die jetzigen Oldenburger Ausbildungsgänge Rückwirkungen haben. Wir leben in Zeiten der Veränderungen.

      

5.2. Die Prädikantenausbildung  

Eine Ausbildung zum Prädikanten, dh zu einem ehrenamtlichen Gottesdienstmitarbeiter mit dem Recht zur freien Wortverkündigung,  ist in der Ev.luth. Kirche in Oldenburg noch nicht als regelmäßige Einrichtung installiert. Überlegungen sind im Gange. Wir werden die Chance haben, mit dem „späten Start“ von den Erfahrungen anderer EKD- Kirchen zu lernen und an gemeinsame EKD- Standards anzuknüpfen.

Die in der oldenburgischen Kirche zu klärende Frage ist: Soll die Prädikantenausbildung nach Grundlage des Beauftragungsgesetzes passieren mit Ermächtigung zur Sakramentsverwaltung und Beauftragung pro loco et tempore?  Oder soll  die Prädikantenausbildung an die Richtlinien des Lektorendienstes von 1975 (C-Lektoren- ohne Sakramentsverwaltung) anknüpfen?

Nach eingehender Beschäftigung mit dem Rahmenbedingungen einer Prädikantenausbildung ist mir deutlich geworden: Ein innerkirchlicher Ausbildungsgang kann kein Universitätsstudium ersetzen und sollte das  in abgespeckter Form auch gar nicht versuchen. Es geht darum, die Menschen in der ihnen eigenen Begabung zu fördern. Das kann zB für den einen heißen: gelungene Bearbeitung von Lesepredigten, für den anderen: eine eigene Predigt zu wagen. Damit Begabungsförderung passieren kann, dürfen Prädikantenkurse eine Gruppengröße von 15 nicht überschreiten. Zudem ist ein dauerndes Fortbildungsangebot und eine Fortbildungsverpflichtung angesagt.   Es geht darum, Gaben aufzuspüren und zu fördern. Ich finde es schön, dass es in Westfalen heißt: „Gemeindeglieder, welche die „Gabe der Verkündigung und einen guten Ruf in der Gemeinde haben“ können zur Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung berufen werden. Es ist klar: Das Prädikantenamt, das Recht zum Dienst an Wort und Sakrament, kann man sich nicht einfach ergreifen, so wie ich sonst bei der Volkshochschule einen Kurs buche. Zu einer inneren Berufung (vocatio interna) kommt immer eine äußere Berufung hinzu (vocatio externa).    Man empfängt dieses Amt, weil es einem von anderen anvertraut wird: Gemeindeglieder halten jemanden aus ihrer Mitte für geeignet, Gemeindekirchenräte formulieren einen  Vorschlag , es gibt pfarramtliche Gutachten. Der nächste Schritt wäre die Zulassung zur Ausbildung. Die Ausbildung wird zeigen, wie es mit den persönlichen Begabungen aussieht. Und am Ende steht die Entscheidung darüber an, ob eine Beauftragung erteilt wird oder nicht.   

    

Pfarrer Thomas Ehlert,

landeskirchlicher Lektorenbeauftragter

 von 2001-2006,

z.Zt. kommissarisch

 



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