An(ge)dacht:

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt...


Ahoi & Herzlich Willkommen an Bord. Sie sitzen gerade alle in einem Schiff, in einem ganz besonderen Schiff:.„Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt.“

Tja, aber was ist das wohl für ein Schiff, werden Sie sich wohl gerade fragen, was sich Gemeinde nennt? Wer sitzt in diesem Schiff? Wohin geht die Fahrt?

Dieses Schiff ist das kein Kriegsschiff für moderne Kreuzfahrer. Und das Schiff ist auch kein Traumschiff oder Luxusdampfer für die Flitterwochen oder den Urlaub in der Karibik. Sondern es ist eher ein größer Lastensegler, ein Transportschiff, groß, geräumig, das viel Platz bietet. Es liegt tief im Wasser und hat scheinbar einiges geladen. Nun, die Regatta von Wilhelmshaven werden wir wohl nicht gewinnen, denn besonders schnell scheint es nicht zu sein, es ist ja auch kein Tragflächenboot, aber es macht zumindest einen zuverlässigen Eindruck. Und ich kann Sie beruhigen, es kommt nicht vom Trockendock der Titanic-Rederei...

 

(Votum)

Und so darf ich Sie alle im Namen der Reederei und im Namen des Schiffeigners Jesus Christus alle ganz herzlich hier an Bord willkommen heißen. Und so wollen wird diese kleine Bordandacht feiern im Namen des Vaters - dem Chef der Rederei - und des Sohnes - dem Schiffseigner - und des heiligen Geistes, der uns allen bei unsern großen Fahrten beisteht. Amen

 

Bevor wir aber nun in See stechen – singen wir vom

Lied EG 572 1+2
 

Erfreulich, dass noch keiner Seekrank ist, dann können wir ja mal die Leinen losmachen und auf große Schifffahrt gehen. Haben Sie, habt Ihr schon einmal bei einem Schiff vorn an Bug gestanden – so wie im Film Titanic... Die Bugwelle ist manchmal ganz schön gewaltig - sie zeigt, dass das Schiff in Fahrt ist. Und das dürfen wir uns wünschen, dass unsere Gruppen und Aufgabenbereiche, dass die  Gemeinde, dass unser Schiff und unser Leben in Fahrt kommt.

Manche von uns liegen vielleicht noch festgezurrt am Kai. Andere dumpeln im seichten Wasser vor sich hin und füttern die Möwen. Mansche sitzen schon auf Grund und haben sich im Schlick festgefahren. Aber das ist doch nicht der Sinn und das Ziel unseres Lebens, dass wir am Ufer hocken bleiben oder in einer Hafenkneipe herumlungern.

Ein altes englische Sprichwort sagt: Ein Schiff, das im Hafen liegt, ist sicher. Aber dafür werden Schiffe nicht gebaut.

 

Unser Leben soll doch in Bewegung kommen, hinaus aus dem alten Hafen, hinaus auf große Fahrt, hinaus auf das Meer der Zeit...

Aber dieses große Meer, dieser große Ozean des Lebens, der kann auch einem alteingesessenen Seebären manchmal ganz schön Angst machen. Das Leben ist ja keine kleine Pfütze, wo man eben drüber weghüpft oder die man eben durchwaten kann. Unser Leben ist ein gewaltiger Ozean, riesengroß, mit Untiefen und gefährlichen Riffs. Da gibt es sicherlich nicht nur Sonnentage mit ruhiger See, wo man die Seehunde auf den Sandbänken aalen sehen kann. Da gibt es auch mal Tage mit starken Stürmen und Orkanen. Da peitscht uns auch mal der Wind ins Gesicht. Da gehen die Wogen hoch. Da donnert und blitzt es, dass uns Hören und Sehen vergehen. Da steigt uns das Wasser in den Stiefeln und manche werden wohl ihr Mittag wieder über die Reling befördern...

 

Aber wie schaffen wir es nun - über den Ozean der Lebens zu kommen - über das weite Meer der Zeit? Mit Surfbrettern und knallroten Gummibooten werden wir wohl nicht weit kommen. Und gerade deshalb gibt es ja auch unser Schiff, das Schiff, das sich Gemeinde nennt. Gott stellt uns ein besonderes Schiff bereit. Die Gangway ist heruntergelassen. Und die Türen stehen offen. Jeder kann eintreten, Plätze für die Passagiere über den Ozean des Lebens sind noch frei. Der Kapitän und Schiffseigner Jesu Christi ruft: Kommt! Steigt ein! Fahrt mit!
Lied: EG 572, 3
   
Wer von Ihnen, wer von Euch war denn schon mal auf große Seefahrt? Oder wer war schon mal in einem großen Übersehhafen? Wer schon einmal so einen Überseedampfer gesehen hat, hat sicherlich festgestellt, dass die Mannschaft ein ganz bunter internationaler Haufen ist. Die Maschinisten kommen aus Russland, die einen Matrosen vielleicht von den Philippinen und Malta, die Ingenieure aus Deutschland, die Stewards aus England und der Kapitän stammt vielleicht aus Zypern. Und trotzdem haben sie alle etwas gemeinsam. Sie gehören alle zu einer Mannschaft, und während alle auf großer Fahrt sind, verlässt sich ein jeder auf den anderen. Jeder wird gebraucht und hat an Bord seine spezielle Aufgabe. Die Herkunft oder Hautfarbe spielt dabei keine Rolle. Sie stammen zwar aus aller Herren Länder, doch solange sie mit dem Schiff unterwegs sind, gehören sie zusammen und stehen füreinander ein: Der Maschinist und der Kombüsenkoch, der Funker und der Matrose, der Ingenieur und der Steward.
   
Das gleiche gilt auch für unser Schiff, das Schiff, das sich Gemeinde nennt. In der Herkunft sind wir vielleicht auch sehr verschieden. Wir kommen aus unterschiedlichen Elternhäusern, aus unterschiedlichen Orten, wir haben unterschiedliche Berufe, besuchten unterschiedliche Schulen und haben unterschiedliche Hobbys oder Begabungen. Aber wir gehören alle zusammen, weil wir zur Gemeinde gehören, wir gehören alle zu Jesus Christus, dem Eigner und Kapitän des Gemeindeschiffes. Mit all unseren Verschiedenheiten gehören wir doch zusammen, wir gehören zur Gemeinde-Mannschaft. Ob als Küster oder Konfirmand, ob als Gemeindekirchenrätin oder als Mitglied im Chor - oder im Seniorenbesuchskreis.
   

Auf hoher See geht auf einem großen Segler die Arbeit natürlich nicht aus. Jeder hier an Bord hat seine Aufgabe. Jeder kann seine Begabungen einbringen und zum ganzen gelingen an Bord beitragen. Alle sind hier aufeinander angewiesen. Sicherlich kann man sich auch in den Liegestuhl hauen, sich an Oberdeck von der Sonne bräunen lassen, vom Steward eine Coke bringen lassen, denken - jemand anderes wird schon aufräumen. Man kann sich in der Haifischbar verdücken und mitgröhlen:“ Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord.“ Das könnte man alles. Aber auf einem richtigen Schiff gibt es keinen, der nicht eine bestimmte Aufgabe hat. Auf unserem Schiff, das sich Gemeinde nennt, ist das genauso. Die Gemeinde Jesu Christi braucht eine Mannschaft, die mit anpackt. Sie braucht Maschinisten, die Dampf machen. Männer und Frauen, die keine Angst vor schmutzigen Händen haben. Sie braucht Stewards. Männer und Frauen, die helfen und um alles besorgt sind. Sie braucht Matrosinnen und Matrosen, die den Sturm nicht fürchten, die auch mal mutig gegen den Sturm anschwimmen wollen und die wissen, was jetzt angepackt werden muss. Sie braucht Offiziere, die die Karte lesen und navigieren können, damit das Schiff den richtigen Kurs hält. Sie braucht Menschen an den Funkgeräten, die den Kontakt nicht abreißen lassen und notfalls Hilfe herbeirufen können. Das könnten zum Beispiel Menschen sein, die Kontakte sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gemeinde oder des Kirchenkreises halten und die außenstehende immer wieder zu uns einladen. Für mich sind das Menschen, die miteinander und nicht übereinander reden - und die für andere auch mal ein offenes Ohr haben. Aber es sind auch die Menschen, die für die Gemeinde beten, die auch für Menschen beten, die Gottes Hilfe brauche oder für die „telegrafieren“, nicht mehr selbst in der Lage sind oder sich fürchten, Gott „anzurufen“.

Und so gibt es viele Bereiche: Die ehrenamtlichen Jugendlichen, die in der Konfirmandenarbeit helfen, die Betreuung der verschiedenen Chöre und Musiker, die Arbeiten im Büro, auf dem Friedhof oder in den Gottesdiensten, das Engagement der Kirchenältesten, der Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen in den unterschiedlichsten Aufgabenfeldern...

   

Es gibt noch eine ganze reihe anderer Dienste in unserer Kirche und in unserer Gemeinde, Und vieles wird auch so getan, meistens sogar ehrenamtlich oder außerhalb der eigentlichen „Dienstpflicht“, ohne das es an die große Glocke gehängt wird - oder dass andere es großartig mitbekommen würden.. Davon lebt eine Gemeinde.  

Sicher, es gibt Zeiten, da ist man nur Passagier auf unserem Schiff, da läst man mal die Beine baumeln und sich bedienen. Für gewisse Zeit ist das auch gut so, mal eine Pause einlegen. Vielleicht sollten wir uns aber immer wieder einmal fragen: Wo ist jetzt mein Platz? Immer noch im Liegestuhl? Oder werde ich nicht doch irgendwo an Bord gebraucht, als Mitarbeiter oder Mitglied der Mannschaft, auf unserem Schiff, das sich Gemeinde nennt...

    

Während wir uns das überlegen und der Wind ein wenig zugelegt hat, es wird schon ganz schön windig und schaukelig, singen wir weiter mit den
Strophen 4+5.
    

Und wer ist nun der Kapitän dieses Schiffes? Wer bestimmt denn, wo´s langgeht? Wer legt den Kurs fest? Mancher denkt vielleicht: „Klar, das macht die Pastorin oder der Pastor, die haben das studiert und gelernt!“. Andere werden einwerfen:“Der Gemeindekirchenrat legt den Kurs fest!“ 

Tja, während wir mit vollen Segeln in See stechen, eine gar nicht so einfache Frage. Die steife Brise weht uns hier um die Nasen und man wüsste doch schon gern, wer den Kurs vorgibt oder worauf wir gerade zusteuern - oder ?  

Wer legt den Kurs fest? Sicher, in Kirchenräten oder Synoden wird häufig und manchmal vielleicht auch mal heiß diskutiert. Aber sie tun das auch in dem Wissen: Eigentlich legt Jesus Christus den Kurs fest. Er ist nicht nur Schiffseigner, sondern auch der Kapitän des Schiffes. Die Kirchenälteste und Pastoren, diese Frauen und Männer sind die Offiziere. Sie folgen den Anweisungen des Kapitäns.  

Und woher nehmen die nu´ die Anweisungen, wird sich sicherlich so manche aus dem Ölmantel hervorkriechende Nase fragen?  

Nun, wir Christen glauben, dass die Bibel uns den Kurs nicht nur für unsere Gemeindeschiff, sondern auch für unserer persönliches Leben zeigt. In diesem großen „Logbuch“ kann jeder von uns nachlesen, was der Kapitän von uns will, was wir tun sollen und welchen Kurs wir einschlagen sollen, ohne gegen ein Riff zufahren. Deshalb lesen wir in jedem Gottesdienst einen Abschnitt aus der Bibel, unserem Logbuch, vor und denken darüber nach, wie er uns helfen kann, unser Leben zu gestalten.  

   

Die Offiziere und die Mannschaft steuern das Schiff und bedienen die Maschinen, aber den Kurs gibt ein anderer vor. Denn auf unserer Fahrt über den Ozean unseres Lebens fehlt uns manchmal der Überblick...  

Da gibt es schon mal dichte Nebelbänke, die uns die Sicht nehmen. Da gibt es Sturmtiefs mit Orkanböen, die uns gehörig durchrütteln und uns vom Kurs werfen wollen. Da schlagen manchmal haushohe Wellen in unser Schiff. Da hört man die Planken knarren und stöhnen und keinen mehr singen:“ Das kann doch einen alten Seebären nicht erschüttern...“  

Manchmal wissen wir wirklich nicht: Geht es dem Hafen oder dem Untergang entgegen? Da ist die Mannschaft auf den Kapitän angewiesen. Sie vertraut ihm, dass er das Schiff auf den richtigen Kurs hält. Die Kommandobrücke ist nicht leer. Jesus hält den Kurs, auch wenn es stürmt und die Wogen in unserem Leben hochgehen. Er bringt uns immer sicher in den Hafen.

Es ist ein weiter Weg in den Heimathafen. Nur gut, dass wir nicht alleine auf Seereise sind. Gut, dass einer den richtigen Kurs kennt und gut, dass unsere Schwestern und Brüder mit an Bord sind. Schwestern und Brüder, mit denen wir zusammen arbeiten und zusammen Gott feiern können.

Nun sind wir gespannt, wohin uns die Reise noch führt... Schön dass Sie alle hier in unserem Schiff Platz genommen haben, schön dass sie in diesem Gemeindeschiff anheuert haben. Lasst uns die Segel setzten! Amen.


Andacht zur Mitarbeiterversammlung am Di, 4.10.05 

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Ev.-luth. Kirchengem. Rastede,

Stefan Bölts


            

 
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