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„In
der Kirchengemeinde H. war und ist die Mitte des
Gemeindeauf-baus der Gottesdienst. Vor jedem Gottesdienst trafen
sich Laien und Hauptamtliche zum Gebet. Es gab vier
Gottesdienste in der Woche, so dass jedes Gemeindeglied an
wenigstens einem Gottesdienst teilnehmen konnte, auch wenn es
beruflich z.B. durch Wechselschicht, etwa vormittags, verhindert
war. Dann kam das Besuchsdienstprogramm von James Kennedy in
unsere Gemeinde. Jetzt, aus einer gewissen Distanz heraus, muss
ich sagen, dass das Vertrauen auf das Wirken Gottes im
Gottesdienst fast völlig verloren ging. Man pries nur noch
dieses Programm und verfiel in einen Arbeitswahn. Das Gebet vor
den Gottesdiensten fiel weg und viele andere gemütliche Dinge
in der Gemeinde verwandelten sich in hektische Betriebsamkeit.
Man versuchte, Gemeinde noch größer und noch schöner zu
bauen, als sie schon war. Immerhin kamen Sonntag für Sonntag ja
500 bis 600 Gottesdienstbesucher und während der Woche gab es
viele Aktivitäten ohne Stress. Nun aber wurde Gott zwar immer
noch als der Wirkende vorgegeben. Er konnte aber gar nicht mehr
zum Zuge kommen.“
Diese
Kirchengemeinde hatte offenbar bereits einen missionarischen
Gemeindeaufbau, der vom Gottesdienst her und auf den
Gottesdienst hin sich durch die ganze Woche hindurch ereignete
und immer mehr Menschen in sich einbezog, die mit Hilfe des
Gottesdienstes und mancher anderer daran sich anschließender
Aktivitäten den Weg zur Gemeinde fanden.
In dem Moment aber, als ein Besuchsdienstprogramm strategisch in
die Gemeinde eingebracht wurde, war es mit der Gemütlichkeit
vorbei, weil offenbar alles jetzt in einen Arbeitswahn verfiel
und nur noch dieses Programm pries. Sie waren Sklaven eines
Programms geworden, mussten die Schritte gehen, die programmiert
waren, und es breitete sich mehr und mehr eine hektische
Betriebsamkeit aus. Nahm man sich vorher Zeit zum Gebet vor den
Gottesdiensten, so fiel das jetzt weg. Was jetzt noch passierte,
musste Teil jener Strategie sein. Natürlich stand das auch
jetzt noch, zumindest rhetorisch, unter dem Vorzeichen von
Gottes Wirksamkeit, seiner Allmacht und seiner Größe, und es
wurde sicherlich auf andere Weise viel gebetet. In Wahrheit
aber, so beobachtet jener Student den Wechsel von einer gemütlichen,
unverplanten, ereignishaften, zu einer strategisch
programmierten Gemeindeaufbauphase: „Gott konnte gar nicht
mehr zum Zuge kommen“, weil er jetzt Teil eines Programms war,
in dem ihm vorgeschrieben wurde, wie er zu wirken haben.
Deutlicher,
klarer und anschaulicher kann kaum mehr zum Ausdruck bringen,
worin meine Vorbehalte gegenüber Programmen, Plänen und
Modellen im Gemeindeaufbau liegen, die alles zielorientiert in
den Griff zu nehmen versuchen und dann eine hektische
Betriebsamkeit auslösen, so dass Gott gar nicht mehr zum Zuge
kommen kann.
Vielleicht
ist das ja nicht die ganze Wahrheit über Modelle und Programme
im Gemeindeaufbau, sondern nur ein Warnsignal, das wir sorgfältig
beachten sollten, wenn nun gleich von Modellen im Gemeindeaufbau
die Rede sein wird. Dabei mag uns die Frage jenes
Diakoniestudenten aus H. als Schlüsselfrage begleiten, ob und
wie Gott in jedem solcher Gemeindeaufbaumodelle zum Zuge kommen
kann. Wird ihm vorgeschrieben, wie er zu wirken habe? Dann ist
bei Petrus mal wieder der Macherwahn ausgebrochen, so dass er
beim Bau der Gemeinde daran erinnert werden muss, was Jesus ihm
als Sendungswort am Ende des Johannesevangeliums mitgibt: „Ich
will dich führen, wohin du nicht willst!“(Joh.21)
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