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I
have a dream – ich habe einen Traum
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Warum
wir in der Kirche auch gemeinsam Visionen wagen müssten
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Gerade
geht ein Gottesdienst zu Ende. Die Kirche war bis auf die
letzten Bänke voll besetzt. Viele Gottesdienstbesucher sind
noch noch immer sichtlich von der Dialogpredigt berührt. Wie in
einer modernen Theaterinszenierung hatte sich die jugendliche
Jungscharmitarbeiterin von der Kanzel und die Pfarrerin von der
Orgelempore den „Ball zugespielt“, das eindrucksvolle Spiel
mit der Akustik hatte zu dem den Wechsel der Perspektiven
gekonnt unterstrichen. Wie zur Begrüßung am Anfang stehen nun
auch zur Verabschiedung Mitglieder des Gemeindekirchenrates am
Portal und schütteln eifrig Hände. Eine junge Mutter von vier
Kindern am Ausgang erkennt sofort, dass der etwas ältere Herr
wohl zum ersten Mal den Gottesdienst dieser lebendigen
Gemeinschaft besucht hatte und überreichte ihm zum Einstieg
einer kurzen Konversation ein kleines Faltblatt mit dem Titel:
„Willkommen in der Kirche.“ Der ältere Herr lächelt
hofflich und blättert ein wenig in den überschaubaren und
bewusst schlicht und unaufdringlich gestalteten Seiten. Auf der
Rückseite ist eine Kontaktadresse angegeben und erstaunt stellt
er fest, dass dort weder ein Pastor noch ein Diakon aufgeführt
war. Auf Nachfrage antwortet ihm die junge
Kirchenratsvorsitzende: „Oh ja, dass ist die Frau Müller. Sie
ist unserer Beauftrage für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
im Kirchenvorstand.“ Mit einem strahlenden Lächeln verweist
sie auf die junge Auszubildende, die gerade das „Angebot für
junge Erwachsene“ im Schaukasten auswechselte. Der ältere
Herr erkennt sie. Es war jene Ehrenamtliche, die sich am Ende
des Gottesdienstes für den Besuch der Pfarrin bedankte. „Hat
die Gemeinde denn keinen eigenen Pastor?“, hakt der ältere
Herr nun neugierig nach. „Nur für unsere Gemeinde? Nein,
nein, so was gibt’s schon lange nicht mehr...“, bekommt er
als Antwort: „Frau Maier ist unsere Verbandspfarrerin. Mehrere
Nachbargemeinden können auf ihre Dienste zurückgreifen. Zu uns
kommt sie alle 14 Tage – mal abwechelnd zum 17-Uhr- und zum
19-Uhr-Gottesdienst. Aber hier vor Ort managen wir die Gemeinde
im wesentlichen selbstständig. Auch die Gottesdienste. Einige
werden von unserem Predikanten gehalten, andere gestalten wir
vom Kirchenvorstand selbst. Nur wenn was Größeres ansteht, wie
zum Beispiel die Kindertaufen im monatlichen
Familiengottesdienst, dann sind wir auf die Hilfe der
Hauptamtlichen angewiesen.“ Zufrieden und selbstsicher lächelt
die junge Mutter den älternen Herrn an, der nun wissen möchte,
warum sie es Kindertaufe nennt. „Nun, es gibt bei uns auch
eine Erwachsenentaufe. Aber die findet nicht so häufig statt.
Immer zum Jahresbeginn bieten unsere Hauskreise eine gemeinsame
Reihe von Abendveranstaltungen zu Glaubensfragen an. Zum
Abschluss findet für die Neuen dann eine Taufe in der
Osternachtsfeier statt.“ Erwachsenentaufe? Hauskreis?
Osternachtsfeier? Völlig neue Begriffe kreisen um den Kopf den
älteren Herrn, als er deutlich skeptisch mustert, wie die
Mitwirkenden des Bläserkreisen in einen Bus einsteigen:
„Einen eigenen Posaunenchor haben sie wohl auch nicht mehr,
oder?“, fragt er dann mit einer leicht forschen Stimme. „Das
sind unsere >>Kreis-Bläser<<,“ gibt ihm die junge
Mutter zur Antwort, während ihre vier Kinder mittlerweise aus
dem Kindergottesdienst zurückgekommen waren und nun lebhaft um
die Leute am Eingangsportal herumtoben. „Wir haben mehrere
Kirchemusikgruppen im Kirchenkreis. Mittwochs ist unser
>>Tag der Musik<<. Ein eigens angemieteter Bus
klappert reihum alle Gemeindezentren ab. Bei uns proben die
Gospelsingers, in Neustand die Bläser... Einmal im Monat proben
mehrere Chöre auch zusammen, um das nächste Konzert
vorzubereiten.“ „Sie mieten einen eigenen Bus?“ Der ältere
Herr zieht staunend seine Stirn zusammen. „Wir haben günstige
Konditionen mit einem regionalen Busunternehmer ausgehandelt.
Aber vor allem brauchen wir die Busse für unsere
Seniorenarbeit. Die wollen schließlich auch mal was anderes
sehen und nicht nur im Gemeindezentrum hocken. Erst letzte Woche
waren sie in Dangast. Ein paar Jugendliche hatten eine kleine
Ralley für sie organisiert, die Idee haben sie vom letzten
Girlscamp...“
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Alles
nur ein Traum? Und wenn schon, was ist falsch daran, Träume und
Visionen zu haben? Im Grunde sind es doch unsere Visionen, die
unsere Vorhaben voranbringen, auch wenn sie vielleicht etwas
bescheidener ausfällen mögen als unsere kühnsten Träume. |
| Schon
Antoine de Saint Exupéry lehrte uns doch schon mit seinem berühmten
Bild:
„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer
zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und Arbeit
zu verteilen, sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem
weiten endlosen Meer.“ Aber diese Sehnsucht nach dem Neuen
fehlt uns leider allzuhäufig.
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„Wenn
du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen,
um Holz zu beschaffen, [...] sondern wecke in ihnen die
Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“
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Im
Perspektivprozess der Oldenburgischen Kirche und den
Diskussionen um Struktur- und Verwaltungsreformen ist so mancher
das Ausmalen von Visionen leid. „Die Zeit des Leitbildmalens
ist vorbei“, jetzt seien konkrete Schritte gefragt, die auch
real umgesetzt werden müssen. Doch welche Leitbilder wurden
denn überhaupt entwickelt und gezeichnet? Und vor allem: Wer
hat sie denn geschrieben? Wenn die Führung eines
Wirtschaftsunternehmens in einem Leitbildprozess eine
Unternehmensphilosophie entwirft, heißt es noch lange nicht,
dass der Angestellte in der lokalen Außendienststelle vor Ort
überhaupt von diesem Leitbild weiß – geschweige denn dieses
teilt. Die Unternehmenskultur wird aber vor Ort beim Umgang mit
dem Kunden geprägt, nicht durch wohl überlegte Formulierungen
irgendwelcher Perspektivpapiere, die in der Chefetage in einer
Schublade schlummern oder in Aktenordern verstauben.
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Es
gibt viele Funktionen, für die ein (Landes)Oberkirchenrat oder
eine (Landes)Synode unverzichtbar sein mögen, aber hinter dem
Deckmantel kirchlicher Demokratie stehen sie nun einmal schon
rein strukturell betrachtet im Widerspruch zu einer
Basisgemeinde (ein von der Befreiungstheologie geprägter
Begriff). Wenn man wissen will, was von einer Kirche von morgen
gefordert wird, muss man sich aufmachen und den Menschen auf der
Straße fragen, so wie Martin Luther einst „dem Volk aufs Maul
schaute“, um eine gute Übersetzung der Bibel zu
bewerkstelligen. Und jede ehrenamtliche Kirchenratsvorsitzende,
jeder Küster oder jede Pfarramtssekretärin ist nun einmal in
mancherlei Punkten strukturell näher am kirchlichen
„Endkunden“ als ein landeskirchlicher Planungsausschuss.
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| Das
angerissenen Wort „Übersetzung“ leitet sich vom „übersetzen“
eines Flussen ab. Eine Ladung wird von einem Ufer ans andere
Ufer „übergesetzt.“ Die gilt auch für die Linguistik und
Kommunikationswissenschaften. Eine Botschaft, die an dem einen
Ufer verstanden wird, muss so transportiert werden, dass die
Empfänger am anderen Ufer auch noch nachvollziehen können, was
der Sender ihnen mitteilen wollte. Auch in Diskussionen um eine
künftige Struktur oder Reform einer Kirche sind solche
Kommunikationswege nötig. Wenn es der einen Seite nicht
gelingt, transparent zu übersetzten, warum und wieso einzelne
Reformen oder Reformschritte nötig sind, wird es kaum möglich
sein, dass man am anderen Ufer auch jene Schritte umsetzt, wie nötig
sie auch sein mögen. Andersherum ist es aber auch notwendig,
dass die andere Seite Möglichkeiten hat, Rückmeldungen und
Feedbacks zu geben, eingene Ansätze zu vermitteln oder neue
Sichtweisen und Perspektiven aufzuzeigen. |
Auch
in Diskussionen um eine künftige Struktur oder Reform einer
Kirche ist eine "Übersetzung" nötig.
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Ein
Reformvorhaben, in welchem immer mehrere Menschen eingebunden
sind, die zudem meist unterschiedlich stark selbst betroffen
sind, ist eine gut ausgebaute Kommunikation unverzichtbar. |
| In
der Bundespolitik gibt es genügend Beispiele, wo vielleicht nötige
Reformvorhaben daran scheiterten, weil sie nicht gut genug
„verkauft“ oder vermittelt worden sind. |
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Mit
unserer kleinen Internetplattform im Rahmen der studentischen
Kampagne „Du bist Oldenburg.NET“ können wir als
Theologiestudierende sicherlich nur einen kleinen Beitrag
leisten, zudem ist es der jetzigen Steuerungsgruppe ja auch
sichtlich besser gelungen, die Notwendigkeit von Reformen zu
vermitteln und mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen, als
so manche Vorgängergruppen. Aber wir wollem mit unserer
Kampagne nicht nur den „Mut zur Reform“ unterstützen,
sondern auch dazu ermuntern und aufzurufen, eigenen Visionen und
Träume einer Kirche von morgen zu entwerfen und
zusammenzutragen. Denn bei einem Perspektivprozess kommt es eben
darauf an, auch eine Perspektive zu haben. Geht es denn nur
darum, bis 2010 rund 12.5 Miollionen Euro im kirchlichen
Haushalt einzusparen, oder auch darum eine zukunftsweisende
Strukturveränderung aufzubauen, die auch 2011 noch „up to
date“ ist? Die Beteiligen und Involvierten mögen je ihre
eigenen Antworten auf diese Frage haben. Dennoch ist in einer
demokratisch strukturierten Volkskirche sowohl die Meinung als
auch die Mithilfe aller gefragt. „Mitreden. Mitwirken.
Mitgestalten.“ So lautet das Motto unserer Kampagne und sie
soll dazu ermutigen, dass jede und jeder seinen Beitrag dazu
leisten kann, unabhängig davon, wie nah oder fern er oder sie
der Heimatgemeinde steht. Denn eine umfassende Kirchenreform
wird schlussendlich nur dann erfolgreich sein können, wenn wir
alle gemeinsam anpacken, denn auch hier gilt: „Du bist
Oldenburg!“ Dabei darf es nicht nur darum gehen, Zahlen zu
jounglieren, Stellen zu streichen oder auf den Cent genau
auszurechnen, was welches Verwaltungsmodell kosten dürfte. Es
geht um Menschen. Und es geht um eine Botschaft, die auch morgen
noch zu den Menschen getragen werden will. Und hierzu bedarf es
mehr als nur Mitgliedschaftsstatistiken oder Taufquoten
kirchlicher Impulspapiere. Hierzu bedarf es Gemeinden, die sich
– um es mit den Worten von Antoine de Saint Exupéry auszudrücken
– nach einer Kirche von morgen sehnen, nach kreativen Ideen,
mitreißenden Innovationen und neuen Wegen, auf die Menschen
zuzugehen.
Die
Internetseite der Kampagne ist unter www.kirche-von-morgen.de
abrufbar.
Stefan
Bölts
Theologiestudent
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Und
wie sieht mein konkreter Beitrag aus?
Und
wie können wir als Gemeinde engagierte Mitarbeiter gewinnen?
Und
wie kommen wir zu neuen Impulsen und zündenen Ideen?
Thema
Gemeindeberatung ...
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Grosse Visionen und
ehrgeizige Ziele: Mit dem Impulspapier "Kirche der
Freiheit" will die EKD ihre Gliedkirchen für die
Zukunft rüsten. Diskutiert wird vor allem der Vorschlag, die
Zahl der Landeskirchen zu reduzieren und den Grenzen der
Bundesländer anzupassen, denn die Landkarte der EKD spiegelt
ein Deutschland von 1855 wieder. Meldungen, Informationen und
Reaktionen in einer
Zusammenstellung. |
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