Jugend & Bildung

Interview

 


Interview mit Volker Austein, Diakon in Edewecht 

(rechts im Bild)

   

    

Das Interview führte Matthias Bruns (links)

Sehr geehrter Herr Austein,
   
…woher kam ihre Motivation, einen Workshop auf dem Landesjugendtreffen 2006 im Blockhaus Ahlhorn anzubieten?
   

„Das Motto „Jung, evangelisch, sucht…“ ist schon etwas zwiespältig in sich. Es klingt nach Partnerschaftsanzeige. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, wenige in der Evangelischen Jugend würden das „Evangelische“ als Werbung auf dem Beziehungsmarkt aushängen. Gleichzeitig sind die normalen Vollendungen des Satzes so banal wie „Friede, Freude, Eierkuchen“. Das war mir auch zu blöd. Die Suche nach Arbeit dagegen ist meines Erachtens selten Thema in der Ev. Jugend. Merkwürdig, denn es erbitten vermehrt junge Leute um eine Bestätigung ihres ehrenamtlichen Engagements für Bewerbungen von mir.“

   

…wie kamen sie auf das Thema „Arbeit“? Sehen sie dieses Thema für die evangelische Jugend als wichtig an?

   

„Wenn wir nicht nur eine Ev. Schüler- und Studentenarbeit sein wollen, sollten wir erst einmal schauen, ob „Arbeitende“ (und auch Arbeitslose) unter uns sind. Ohne Anspruch auf Wissenschaftlichkeit würde ich folgende Behauptungen aufstellen:

Ev. Jugendarbeit qualifiziert für Teamarbeit und Kollegialität

Die Werte der Ev. Jugendarbeit und des Evangeliums sind nicht gleich denen der Arbeitswelt. Das Kontroverse wird sich in Zukunft zuspitzen!!

Ev. Jugendarbeit ist eher schülerfreundlich als arbeitnehmerfreundlich organisiert.

Auch wenn wir gerne behaupten, wir sind offen für jeden usw. (Gott hat jede/jeden lieb.), fühlen sich Arbeitslose bei uns nicht wohl. Offen ist auch, ob unsere Freizeiten und Fahrten für Kinder Arbeitsloser bezahlbar sind. Es darf nicht darum gehen, die sozialen Unterschiede mit Geldern aus der Diakoniekasse zu überspielen.

Die Frage nach Arbeitsplätzen ist eine Frage nach Chancengleichheit und nach Gerechtigkeit. Fragen, die in der zukünftigen „Arbeit“ der Ev. Jugend keine Rolle spielen, wenn es nach dem Entwurf der neuen Ordnung geht! Hier fehlt das Wort „Gerechtigkeit“, erwähnt wird aber „Spaß“!“

    

…mit welchen Aktionen wollten sie die Jugendlichen an das Thema heranführen?

   

„Unser kleines Projektteam bestand aus zwei Schülern, vier Arbeitenden (bzw. Arbeitslosen) und einem Studenten. Auch einen Spezialisten vom Arbeitsamt konnten wir gewinnen. Mittels einer Umfrage hofften wir, die Gäste des Landesjugendtreffens für die Thematik zu interessieren. Gleichzeitig wollten wir prüfen, ob die Vermutung, Arbeitende wären nicht da, richtig war. Die Umfrage ist noch nicht ausgewertet.
Mit einigen kleinen „Eignungstests“ wollten wir weitere Aufmerksamkeit gewinnen und motivieren, sich in die Räumlichkeiten zu begeben, in denen eine „Ballonfahrt“ stattfand und „Arbeitgeber Herzblatt“ gespielt werden sollte.“
    

…was sollten die Jugendlichen dabei „mitnehmen“?

    

„Die Ballonfahrt sollte den Wert und das Ansehen von verschiedenen Fähigkeiten in einer Krisensituation zur Diskussion stellen: Der Ballon droht abzustürzen, wenn nicht einer (mehr oder weniger freiwillig) „aussteigt“. Der Doktor, die Köchin, der Arbeitslose oder …?
In „Arbeitgeber Herzblatt“ hat der Arbeitgeber die nicht ganz unrealistische Auswahlmöglichkeit, nach entsprechendem Testfragen sich seinen Arbeitnehmer auszusuchen. Leider wurde das „Herzblatt“ nie gespielt. Die Jugendlichen wollten dafür nicht ihre Zeit geben.
Das Thema „Ausbildungsplatz“ spielt aktuell im „Russisch-Deutschen-Roulette“ eine Rolle, einer Gruppe mit rußlanddeutschen und einheimischen Jugendlichen, die aus Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulen und Auszubildenden besteht.“
   

…haben sie die Ziele ihres Workshops erreicht?

    

„Insgesamt war das Interesse an unserem Projekt eher mäßig als erfreulich. Nichtsdestotrotz war unsere Projektgruppe zufrieden, die Thematik angegangen zu sein. Vielleicht ist eine Beteiligung beim Kirchentag in Köln möglich. Vielleicht haben auch weitere Veranstaltende unser Thema wahrgenommen und „in ihrem Herzen bewegt“. Wer weiß.“

   

Danke für das Gespräch. 

    
 Es interviewte Matthias Bruns.


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