Kirche der Freiheit | Zukunftskongress der EKD ...

Zukunftskongress 

der EKD

Kirche der Freiheit

Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert

Presse-Echo


Leuchtfeuer vom Rat der Weisen
Die EKD will 23 Landeskirchen auf acht reduzieren und strebt weitreichende Reformen an

   

„Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert“ lautet der Titel des Impulspapiers des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das am vergangenen Donnerstag, 6. Juli, veröffentlicht wurde. Der Text zeigt Möglichkeiten auf, wie die evangelische Kirche den Herausforderungen, vor denen sie steht, begegnen kann. Mit den von einer Perspektivkommission des Rates der EKD entwickelten Vorschlägen will der Rat eine Reformdebatte auf allen kirchlichen Ebenen und Handlungsfeldern anstoßen.
Von Benjamin Lassiwe

(Qu: www.die-kirche.de)

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) steht vor massiven Veränderungen. Denn aufgrund der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung wird sich die Zahl der Protestanten bis zum Jahr 2030 von derzeit 26 auf 17 Millionen reduzieren. Verbunden damit sei ein drastischer Rückgang der Einnahmen aus der Kirchensteuer, heißt es in dem 120-seitigen Impulspapier mit dem Titel „Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert“, das von einer Perspektivkommission unter Leitung des EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Wolfgang Huber, vorbereitet wurde. Um einer „faktischen Gestaltungsunfähigkeit“ der Kirche, wie es Huber formulierte, vorzubeugen, werden weitreichende Reformen vorgeschlagen. Sie bestehen aus Ansätzen, die in vielen Landeskirchen bereits heute vorhanden sind, und werden in insgesamt zwölf so genannten „Leuchtfeuern“ zusammengefasst, wobei das Bild der Seezeichen, die verirrten Schiffern den Weg in den sicheren Hafen weisen, durchaus programmatisch zu verstehen ist.

Kirche muss nicht überall sein

    

Als Brennstoff und Verstärkerlinse dienen den Leuchtturmwärtern der EKD dabei vier Grundprinzipien, etwa die Aussage „Geistliche Profilierung statt undeutliche Aktivität“. Wo evangelisch draufsteht, müsse auch das Evangelium erfahrbar sein, heißt es im Impulspapier. Denn das Licht der Welt dürfe nicht unter den Scheffel gestellt werden. Dazu kommt „Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit“: So wie die Wunder Jesu nur an einzelnen Orten stattfanden, aber dennoch weit bekannt wurden, müsse auch heute kirchliches Wirken nicht überall vorhanden sein. Es müsse lediglich überall sichtbar sein. Dann wird „Beweglichkeit in den Formen statt Klammern an Strukturen“ als Anliegen genannt: Nicht überall müsse man das gemeinsame Ziel auf die gleiche Weise erreichen. Vielmehr dürfe man „den Juden ein Jude und den Griechen ein Grieche sein“, wie es im ersten Korintherbrief heißt. Und schließlich „Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit“. Denn auch künftig sollen der Kirche fern stehende Menschen von ihr erreicht werden.
Errichtet hat die EKD ihre Seezeichen an teils tückischen Untiefen und Klippen. So schlagen sie vor, die Zahl der heute noch 23 Landeskirchen bis zum Jahr 2030 auf acht bis zwölf zu reduzieren. Sie sollen jeweils rund eine Million Mitglieder haben und sich an den Grenzen der Bundesländer orientieren. Auf den ersten Blick ein weiser Vorschlag: Denn wie kann man heute noch einem Außenstehenden erklären, warum die braunschweigische Landeskirche Gebiete in Sachsen-Anhalt besitzt, oder das weit vom Rheinland entfernte Wetzlar von der rheinischen Kirche verwaltet wird. Je mehr Landeskirchen in einem Bundesland beheimatet sind, desto abstimmungsintensiver wird das Auftreten „der Evangelischen“ gegenüber der Landesregierung, etwa wenn die Kirche eine Stellungnahme zu einem neuen Bestattungsgesetz abgeben soll.
Doch nicht zuletzt das beinahe am Riff der regionalen Identitäten zerschellte gemeinsame Kirchenschiff der Berlin-Brandenburgischen Kirche und der schlesischen Oberlausitz zeigt, dass längst nicht jeder Vorschlag aus dem Impulspapier in den nächsten Jahren umsetzbar sein wird.

    

Segelanweisungen geben Landeskirchen

    

Nicht jede kleine Kirche wird ohne weiteres bereit sein, zugunsten des gemeinsamen Ganzen ihre Selbstständigkeit aufzugeben. Wie überhaupt die Segelanweisungen letztlich nicht von den Leuchtturmwärtern der EKD, sondern von den Kapitänen und Mannschaften der einzelnen Landeskirchen kommen werden. Auf den Synoden und einem Zukunftskongress Anfang 2007 in Wittenberg wird die Feinarbeit zu den Vorschlägen des Impulspapiers geschehen, dessen Stärke es ist, einen Gesamtüberblick zu bieten, anstatt sich allzu sehr im Treibnetz der innerkirchlichen Grabenkämpfen des „Reformen ja, aber nicht bei mir!“ zu verheddern. Ob es allerdings den Kirchenparlamentariern der 23 Landeskirchen und der EKD-Synode ebenfalls gelingt, diese Linie beizubehalten, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.

     

Pfarrer reduzieren, Gottesdienste attraktiver machen

   

Spannend bleibt die Frage, was am Ende vom Impulspapier überleben wird. Wird es etwa gelingen, durch die von den Verfassern vorgeschlagenen attraktiveren Gottesdienste den Anteil der regelmäßigen Gottesdienstbesucher unter den Protestanten von derzeit etwa vier Prozent auf rund zehn Prozent zu steigern? Wird es gelingen, ein „Wachsen gegen den Trend“ zu starten, wenn man gleichzeitig die Zahl der Pfarrer von derzeit 22.000 auf künftig nur noch 16.500 reduzieren will? Ihre Aufgabe soll es verstärkt sein, ein „Netzwerk von Ehrenamtlichen“ zu leiten. Aber werden sich künftig mehr Laien als heute für Gemeindearbeit und Gottesdienst finden lassen?
Auch die Zukunft der Gemeinden fragt das Impulspapier kritisch an: Neben den bisherigen Parochialgemeinden sollen Profilgemeinden entstehen, die sich etwa besonders der Sozialarbeit oder der Kulturarbeit widmen, so wie es heute bereits bei vielen Innenstadtkirchen der Fall ist. Doch auf dem Lande wird für manche Gemeinde nur ein anderer Weg in Frage kommen: Die Aufgabe der gemeindlichen Selbständigkeit und Umwandlung in einen „Standort christlichen Lebens“, an dem sich vielleicht eine Handvoll Menschen regelmäßig trifft. Andere Menschen, die von sich aus nie physisch an einem Gottesdienst teilnehmen, werden eine „Mediengemeinde“ bilden. Ihr Kontakt zur Kirche wird aus Fernsehgottesdiensten und Zeitungen bestehen.
Was das Finanzielle betrifft, geht das Papier einen Weg, den man bereits von Universitäten und Kultureinrichtungen kennt. Gefragt sind Mäzenatentum und Stiftungen, zur Einrichtung neuer Pfarrstellen zum Beispiel. Gleichzeitig wird die Forderung erhoben, dass mehr Menschen freiwilliges Kirchgeld zahlen sollen. Auch hier stellt man sich als unbedarfter Leser unwillkürlich die Frage, wie viele Menschen wohl bereit sein werden, die Kirche künftig durch Spenden und Stiftungen in Betrieb zu halten - bei den Freikirchen funktioniert das bestens, doch wenn die Landeskirche in den letzten Jahren zu großen Spendenkampagnen, etwa für die Kapelle im Olympiastadion, aufgerufen hatte, kleckerten die Gelder nur sehr langsam auf die Konten.

     

Kirchenschiff in den sicheren Hafen lenken

   

Auch über die genannten Dinge hinaus steckt das Impulspapier der EKD voller Visionen, etwa der Idee, bis zum 500. Jubiläum der Reformation 2017 künftig in jedem Jahr ein deutschlandweites Themenjahr zu einem besonderen Thema des Protestantismus zu veranstalten. Doch wie viele Visionen in den nächsten Jahren tatsächlich umgesetzt werden, und ob es gelingt, das Kirchenschiff der EKD mit dem Impulspapier in den sicheren Hafen zu lenken, kann wohl selbst ein erfahrener Kapitän wie Wolfgang Huber heute noch nicht abschätzen.

Das Impulspapier kann per E-Mail als pdf-Datei bei der Pressestelle der EKD in Hannover angefordert werden: pressestelle@ekd.de oder versand@ekd, Telefon (0511) 27 96-0. Im Internet unter www.ekd.de oder www.zukunftskongress-ekd.de

    

Text: Evangelische Wochenzeitung Die Kirche

  

 

   

Dieser Artikel ist entnommen worden von der Online-Ausgabe von der Evangelische Wochenzeitung Die Kirche

 

 (Qu: Die Kirche)

    

       

(Quelle: EKD)


Zukunftskongress "Kirche der Freiheit im 21. Jahrhundert" 

(Wittenberg, 25. - 27. Januar 2007)



 

  

   
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