Kirche der Freiheit | Zukunftskongress der EKD ...

Zukunftskongress 

der EKD

Kirche der Freiheit

Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert

Presse-Echo


Zahl der Kirchenmitglieder 

sinkt um ein Drittel

 

Neues Krisenszenario - EKD will mit Kurskorrektur gegensteuern - Gottesdienstbeteiligung soll von vier auf zehn Prozent steigen

    

von Gernot Facius

   

Bonn/Berlin - Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) stellt sich darauf ein, daß wegen der ungünstigen demographischen Entwicklung die Zahl ihrer Mitglieder bis zum Jahr 2030 von 26 Millionen um ein Drittel auf etwa 17 Millionen zurückgehen wird. Für die östlichen Gliedkirchen sagen die EKD-Prognostiker sogar ein Absinken der Mitgliederzahl auf 57 Prozent des heutigen Standes voraus. Die Ursachen: besonders hohe Überalterung und anhaltende Abwanderung von Arbeitnehmern. Dieses Szenario ist die Basis eines jetzt vom Rat der EKD verabschiedeten Perspektivpapiers, mit dem eine "Kurskorrektur" und ein Mentalitätswandel eingeleitet werden sollen. Auf einem Zukunftskongreß im Januar 2007 in der Lutherstadt Wittenberg sollen die theologischen und kirchenpolitischen Reflexionen in einer "Aufwärtsagenda" gebündelt werden.

Bischof Huber - Ratsvorsitzender der EKD

Der EKD-Ratsvors.

Dr. Wolfgang Huber

(Bild: Arbeit-Plus)

Der Ratsvorsitzende Wolfgang Huber gibt sich zuversichtlich: "Bei einem aktiven Umbauen, Umgestalten und Neuausrichten der kirchlichen Arbeit und einem bewußten Konzentrieren und Investieren in zukunftsverheißende Arbeitsgebiete wird ein Wachsen gegen den Trend möglich." Bei der Fortführung des bisherigen Handelns würde die Kirche auf eine Situation zutreiben, in der das "hochexplosive Gemisch aus Versorgungskosten, Teuerungsrate und schrumpfenden Einnahmen zur faktischen Gestaltungsunfähigkeit" führe. Huber rückt "Handlungsfelder" ins Zentrum der Überlegungen, spricht von "Leuchtfeuern" auf einem gemeinsamen Weg in die Zukunft. 

Nötig sei vor allem ein Aufbruch in den kirchlichen Kernangeboten, bei allen Mitarbeitenden, beim kirchlichen Handeln in der Welt und bei der kirchlichen Selbstorganisation.     

Das EKD-Papier nennt es ermutigend, daß in der deutschen Gesellschaft ein neues Interesse und eine neue Sensibilität für religiöse und christliche Lebensweisen beobachtet werden könne. Und es verweist darauf, daß die kirchlichen Haushalte im Gegensatz zu den staatlichen nicht überschuldet seien. Zu den ermutigenden Signalen gehöre auch, daß in allen kirchlichen Gruppierungen eine missionarische Neuausrichtung bejaht werde. Die volkskirchliche Situation wird hingegen als kritisch beschrieben. Mit dem "massiven Einbruch" bei den Amtshandlungen und einer durchschnittlichen Gottesdienstbeteiligung von vier Prozent will sich die EKD "nicht abfinden". Als Ziel wird eine Steigerung auf zehn Prozent vorgegeben. Profilschärfung dürfe nicht mißverstanden werden als Verengung oder als Abkehr von einer ökumenischen Grundhaltung. Sie sei vielmehr eingebettet in das Konzept einer Kirche der Freiheit im 21. Jahrhundert, die offen und einladend, weltverantwortlich und kulturorientiert sei. Beklagt werden eine "bedauerliche Neigung zum Separatismus", ein "ungutes Kirchturmdenken" und "überzogene Autonomievorstellungen im Pfarramt". Ein verläßliches Qualitätsmanagement fehle bisher. Im Kern gehe es darum, daß die evangelische Kirche den Pfarrberuf als "Schlüsselberuf" sorgfältig wahrnehme, Probleme "im vorhinein kennt und dadurch zu ihrer Lösung beitragen kann".
   

Die richtigen Menschen mit den richtigen Fähigkeiten am richtigen Ort - das ist der Leitgedanke einer künftigen modernen kirchlichen Personalentwicklung und Personalführung. Die Autoren des Papiers bekennen sich zwar zur Gemeinde als "Heimat" evangelischer Christen, sie sprechen sich aber gleichzeitig für eine größere Vielfalt von Gemeindeformen aus. Und "klärungsbedürftig" ist für sie die Frage, was eine Landeskirche - zur EKD gehören 23 - heute ausmacht: ihre historische Entstehung? Ihre landsmannschaftliche Prägung? Die Bindung an ein ehemals regierendes Fürstengeschlecht? "Im Jahre 2030 sollte es zwischen acht und zwölf Landeskirchen geben, die an den Grenzen der großen Bundesländer orientiert sind und jeweils nicht weniger als eine Million Mitglieder haben", wird als Ziel formuliert.
   

Artikel erschienen am Do, 6. Juli 2006

    

   

 Dieser Artikel ist entnommen worden von der Online-Ausgabe von "Die Welt".

 (Qu: Die Welt)

    

       

(Quelle: EKD)


Zukunftskongress "Kirche der Freiheit im 21. Jahrhundert" 

(Wittenberg, 25. - 27. Januar 2007)



 

  

   
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