Unmissverständlich
wird klar gemacht, dass ein Aufbruch der Kirche in das 21.
Jahrhundert nur gelingen kann, wenn bei den Mitarbeitern der
Vereinsamung, der Verkümmerung sozialer Fähigkeiten und dem
Erlöschen der Teamfähigkeit begegnet werde. Qualitätsmanagement,
laufende Fortbildung und eine intensivierte
Personalentwicklung und -führung durch Neubeauftragung,
Entsendung und Versetzung sollen dabei helfen.
Die
Reformdiskussion in der evangelischen Kirche birgt Zerreißproben
zwischen Veränderungsbereitschaft und Beharrungssehnsucht in
sich. Dabei ist sie weit mehr als nur ein Spiegelbild
gesellschaftlicher und politischer Debatten. Denn die Kirche
muss mit ihrem missionarischen Anspruch in besonderer Weise
die Beständigkeit von Grundwerten und ethischen
Orientierungen leben.
Es
ist ein Wandeln auf dem schmalen Grat zwischen festem Wertegerüst
und notwendiger Neuerung. Dabei übersehen – gerade auch in
der politischen Debatte – viele, dass die unumgängliche
Offenheit nur dann nicht zur Beliebigkeit wird, wenn ein
Konsens über Letztverbindlichkeiten besteht.
So
wie die Kirche ansonsten Gefahr läuft, in separatistische
Randgruppen zu zerfallen, so verliert die Politik den Kompass
für ihren Weg. Weisung gibt hier die Ordnungspolitik mit
ihrem klaren Bekenntnis zu Freiheit und Verantwortung sowie
der Forderung nach Beteiligungsgerechtigkeit.
Die
strategischen Überlegungen der evangelischen Kirche gehen mit
einer beachtlichen inhaltlichen Neupositionierung einher. So
bietet die jüngste Denkschrift des Rates der EKD „Gerechte
Teilhabe“ eine Analyse von Armut, die den Stand der ökonomischen
Diskussion reflektiert, die Zwänge der Globalisierung
thematisiert und die Chancen des Strukturwandels erkennt.
Gerechtigkeit wird nicht mehr auf Verteilungsgerechtigkeit
reduziert, die Bildung als wichtiger Ansatzpunkt zur
Vermeidung von Armut betont. All dies macht Mut. Es zeigt,
dass ideologische Verhärtungen aufzulösen sind und
ordnungspolitisches Denken einziehen kann.
Gleichwohl
bleibt ein langer Weg. Das wird klar, wenn man den Rücktritt
des Präsidenten des Diakonischen Werkes vom 21. Juni
erinnert, nachdem dieser Kürzungen bei passiven Leistungen
nach Hartz IV als unausweichlich bewertet hatte. Dies war
durchaus im Sinne der Denkschrift, die vor
Wohlfahrtspaternalismus und Schwächung der Eigenverantwortung
warnt. Zwischen Theorie und Praxis klafft mitunter auch in der
Kirche eine beachtliche Lücke. Wichtig ist die Erkenntnis des
notwendigen Mentalitätswandels. Wenn nur die Politik schon so
weit wäre.