Kirche der Freiheit | Zukunftskongress der EKD ...

Zukunftskongress 

der EKD

Kirche der Freiheit

Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert

Presse-Echo


Besinnung auf das „Kerngeschäft“

 

VON HAJO GOERTZ, 05.07.06, 20:17h

Bonn - „Unsere Kirche ist kein Abbruch-, sondern ein Aufbruchunternehmen“, überschreibt der Präses der Rheinischen Kirche, Nikolaus Schneider, den Prozess der Umstrukturierung, den der Mitgliederschwund und schrumpfende Kirchensteuern bedingt. 

   

(Foto: dpa)

(Qu: Kölner Rundschau)

Ins gleiche Horn stößt für die ganze Evangelische Kirche in Deutschland deren Ratsvorsitzender Wolfgang Huber: „Wir wollen gegen den Trend wachsen.“

Mit seinem Motto gegen verbreiteten Pessimismus will der Berliner Bischof eine umfassende Reformdiskussion einleiten, die die evangelische Kirche stark und vermutlich auch sehr kontrovers beschäftigen wird. „Kirche der Freiheit“ ist das 110-seitige Grundlagenpapier überschrieben, das heute in Berlin veröffentlicht wird und die Auseinandersetzung um „Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert“ einleiten soll.

Bischof Huber - Ratsvorsitzender der EKD

Der EKD-Ratsvors.

Dr. Wolfgang Huber

(Bild: Arbeit-Plus)

    

Zwar sinken derzeit die Kirchenaustritte leicht und mit den staatlichen Steuerzuwächsen können auch die kirchlichen Finanzbeamten mit einem schwachen Plus rechnen. Doch die Kirchenleitungen wollen sich dadurch nicht von einer realistischen langfristigen Betrachtung ablenken lassen.

Sie rechnen damit, dass bis 2030 die Zahl der Gläubigen um ein Drittel zurückgeht und die finanzielle Basis vielleicht nur noch die Hälfte des heutigen Standes ausmacht. Am meisten besorgt die leitenden Geistlichen, dass in den nachwachsenden Generationen Glaubenssubstanz und -wissen „verdunsten“.

Besinnung auf das Kerngeschäft würden Unternehmensberater wohl beschreiben, was der Rat der EKD sich jetzt vornimmt. Ausdrücklich bittet er um kritische Stellungnahme.

Die wird sicher nicht ausbleiben, denn die Kirchenleitung wagt sich auch an Tabus heran. Zum Beispiel eine drastische Reduzierung der selbstständigen Landeskirchen von 23 auf acht bis zwölf - eine ähnlich schwierige Operation wie eine im politischen Raum immer wieder geforderte, aber in der Praxis kaum durchsetzbare Zusammenlegen von Bundesländern. Das Ziel „Konzentration der Kräfte“ würde wohl jeder unterschreiben, aber es geht auch um traditionelle Pfründe.

Doch wer Bischof Huber kennt, ist nicht überrascht, dass er selbst solche „heißen Eisen“ anfasst. Was die Rheinische Kirche mit ihrer Sondersynode vor einem Monat auf den Weg zu bringen begonnen hat, soll nun also auf der Ebene der EKD angestoßen werden. Beobachter erwarten, dass die Düsseldorfer Kirchenleitung, angeführt von Präses Schneider, den Gesamt-Reformprozess in der evangelischen Kirche kräftig mit vorantreibt.

Schneiders Devise, sich von der Breite des kirchlichen Dienstangebots zu verabschieden und sich Schwerpunkte zu setzen, gilt auch für Bischof Huber. Gerade bei den Überlegungen, wo die Kirche Kompetenzen bündeln soll, um sie in wichtigen Bereichen sogar zu intensivieren, erhofft sich der EKD-Rat konstruktive Weiterentwicklung des nun vorgelegten Positionspapiers. Man will sich, betont Bischof Huber, den Weg in die Zukunft der Kirche nicht von äußeren Gegebenheiten vorzeichnen lassen, sondern selbst die Bahn anlegen. Wohin die Reise geht, soll zunächst ein „Zukunftskongress“ aufzeigen, der für Ende Januar 2007 in der Lutherstadt Wittenberg geplant wird. Damit will die evangelische Kirche eine „Reformdekade“ einläuten, die bis 2017 terminiert wird, wenn sie 500 Jahre Reformation feiern möchte.

    
(KR)
      

Kommentar:

EKD zeigt Mut zur Reform

   

VON HAJO GOERTZ, 05.07.06, 20:52h, AKTUALISIERT 06.07.06, 20:50h

Hajo Goertz

(Qu: KSTA)

Unliebsame Entwicklungen zwingen die großen christlichen Kirchen, über ihre Zukunft nachzudenken. Nach den üppigen Jahrzehnten einer volkskirchlichen Flächendeckung und stetig sprudelnden Steuereinnahmen stehen ihnen in der einen wie der anderen Hinsicht magere Jahre bevor.
   
Zwar wurden die Verantwortlichen in den Kirchenleitungen dadurch angestoßen, über Reformen nachzudenken; aber sie wollen sich, so bekunden sie wenigstens, durch die äußeren Gegebenheiten nicht einfach weiter treiben lassen.

Strukturelle Verschlankung hat sich die katholische Kirche aufs Panier geschrieben. Da sprechen die Bistumsleitungen gern von seelsorglich bestimmten Zukunftsplänen, doch die Umsetzung, die von oben verordnet wird, erschöpft sich weit gehend im Organisatorischen. Unmut an der Basis in den Gemeinden macht sich breit, noch engagierte Katholiken fühlen sich übergangen und distanzieren sich von ihren Oberen noch mehr als jetzt schon. Im Vergleich dazu geht die evangelische Kirche grundlegend anders vor. Freilich können die Leitungen nach dem synodalen Kirchenverständnis nicht einfach Reformen von oben dekretieren, sie brauchen die Zustimmung ihrer Kirchenparlamente, in denen Laien ebenso viel zu sagen haben wie Geistliche.

Insofern ist nur konsequent, dass der Rat der Evangelischen Kirche kein fertiges Zukunftskonzept vorlegt, sondern Visionen zur Diskussion stellt. Das Gremium zeigt dabei gehörigen Mut, denn es müssen viele alte Zöpfe abgeschnitten werden, von denen auch Amtsträger und Mitarbeiter persönlich betroffen sind.

Wie weit der Rat der EKD seine Vorstellungen verwirklicht sehen kann, wird von seiner Überzeugungskraft abhängen. Er setzt dazu richtig an, indem er nicht eigentlich mit finanziellen Engpässen und strukturellen Verkrustungen argumentiert, sondern seine Überlegungen theologisch unterfüttert.

    
(KR)
    
   

Artikel und Kommentar sind entnommen worden von der Online-Ausgabe von der Kölner Rundschau.

 (Qu: KR)

    

       

(Quelle: EKD)


Zukunftskongress "Kirche der Freiheit im 21. Jahrhundert" 

(Wittenberg, 25. - 27. Januar 2007)



 

  

   
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