Zwar wurden die
Verantwortlichen in den Kirchenleitungen dadurch angestoßen,
über Reformen nachzudenken; aber sie wollen sich, so bekunden
sie wenigstens, durch die äußeren Gegebenheiten nicht
einfach weiter treiben lassen.
Strukturelle Verschlankung
hat sich die katholische Kirche aufs Panier geschrieben. Da
sprechen die Bistumsleitungen gern von seelsorglich bestimmten
Zukunftsplänen, doch die Umsetzung, die von oben verordnet
wird, erschöpft sich weit gehend im Organisatorischen. Unmut
an der Basis in den Gemeinden macht sich breit, noch
engagierte Katholiken fühlen sich übergangen und
distanzieren sich von ihren Oberen noch mehr als jetzt schon. Im
Vergleich dazu geht die evangelische Kirche grundlegend anders
vor. Freilich können die Leitungen nach dem synodalen
Kirchenverständnis nicht einfach Reformen von oben
dekretieren, sie brauchen die Zustimmung ihrer
Kirchenparlamente, in denen Laien ebenso viel zu sagen haben
wie Geistliche.
Insofern ist nur konsequent,
dass der Rat der Evangelischen Kirche kein fertiges
Zukunftskonzept vorlegt, sondern Visionen
zur Diskussion stellt. Das
Gremium zeigt dabei gehörigen Mut, denn es müssen viele alte
Zöpfe abgeschnitten werden, von denen auch Amtsträger
und Mitarbeiter persönlich betroffen sind.
Wie weit der Rat der EKD
seine Vorstellungen verwirklicht sehen kann, wird von seiner
Überzeugungskraft abhängen. Er setzt dazu richtig an, indem
er nicht eigentlich mit finanziellen Engpässen und
strukturellen Verkrustungen argumentiert, sondern seine Überlegungen
theologisch unterfüttert.
(KR)