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Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert

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Es soll wieder aufwärts gehen

   

Kirchenreform: Weniger Landeskirchen, mehr Profilgemeinden, intensivere Kinder- und Jugendarbeit: Ein "Impulspapier" der Evangelischen Kirche in Deutschland formuliert ehrgeizige Ziele
  

Von Wolfgang Riewe

UK-Ideenbörse: Wie wird Kirche neu?

(Qu: www.unsere-kirche.de)

Mit der evangelischen Kirche soll es wieder aufwärts gehen. Sechs Jahre nach Beginn des Reformprozesses in der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) will nun auch die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) grundlegende Veränderungen anstoßen. Eine "Perspektivkommission" hat im Auftrag des Rates der EKD ein über 100-seitiges Impulspapier erarbeitet, das umwälzende Vorschläge enthält.

Werden sie wirklich umgesetzt, sieht die evangelische Kirche im Jahr 2030 völlig anders aus als heute: Statt 23 Landeskirchen wird es nur noch acht bis zwölf geben. Die Zahl der traditionellen Kirchengemeinden soll auf die Hälfte sinken und durch Profilgemeinden, City-, Jugend- oder Kulturkirchen ergänzt werden. Mit geistlicher und organisatorischer Konzentration und Schärfung des evangelischen Profils will die EKD dem Schrumpfungsprozess entgegenwirken.

    

Das sind ehrgeizige Ziele: Die Zahl der Gottesdienstbesucher soll von vier auf zehn Prozent der Kirchenmitglieder steigen. Ebenso will man die "Taufquote" steigern. Die Kirchensteuer wird durch freiwillige Zahlungen ergänzt, das Bildungsangebot ausgebaut.

Die gesamte kirchliche Arbeit muss nach Ansicht der EKD neu ausgerichtet werden. Vor allem soll wieder klarer, kräftiger und hörbarer zum christlichen Glauben eingeladen werden.

"Wo Evangelium draufsteht, muss Evangelium erfahrbar sein", heißt es. Die Autoren fordern von allen, die in der Kirche mitarbeiten:

- geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität

- Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit

- Beweglichkeit in den Formen statt Erhalt von Strukturen

- Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit.

Nach Jahrzehnten, in denen in der evangelischen Kirche häufig Vielfalt mit Beliebigkeit verwechselt wurde, sind das klare Worte.

Um nicht weniger als um einen Mentalitätswandel geht es also. Die geistlich- missionarische Kompetenz der Pfarrerinnen und Pfarrer soll gestärkt, die Qualität des kirchlichen Angebots verbessert werden. Fünf Prozent aller Personalkosten will man künftig in die Fortbildung der Mitarbeitenden investieren, um vor allem bei Amtshandlungen, Gottesdienst und Religionsunterricht eine Qualitätssteigerung zu erreichen. Vor allem soll in "zukunftsverheißende Arbeitsgebiete" investiert werden.

Was aber heißt das konkret? Den Verfassern ist klar, dass der Kinder- und Jugendarbeit für die Zukunft der Kirche besondere Bedeutung zukommt. Eines der Ziele lautet, dass 90 Prozent der Kinder in den ersten sechs Lebensjahren mit biblischen Geschichten und christlichen Traditionen in Berührung kommen. Die Zahl der evangelischen Schulen soll steigen, die Bildungsarbeit in Kirche und Diakonie das evangelische Anliegen deutlicher sichtbar machen als bisher.

Noch gezielter als bisher will die evangelische Kirche die öffentliche Diskussion prägen. An weitere Kampagnen wie für den Sonntagsschutz ist gedacht, eine Profilierung der 50 bedeutendsten Kirchen oder einen Kulturpreis des Protestantismus. Sogar eine Mitgliederzeitung wird erwogen - ein Punkt, der bislang als "unbezahlbar" galt. Der auch die Frage aufwirft, wie weit die EKD die eingeführten Kirchenzeitungen, etwa UK, noch im Blick hat.

Festhaken wird sich die Debatte vermutlich an dem Vorschlag, etliche der 23 Landeskirchen zusammenzulegen. Nach Ansicht des pfälzischen Kirchenpräsidenten Eberhard Cherdron bewirken Fusionen und Zentralisierung der Kirche nicht unbedingt eine bessere Arbeit. Er hält es für fraglich, ob Grundsätze aus der Wirtschaft die Kirche zukunftsfähig und attraktiv machen. Worte wie "Trauquote" und "Qualitätsoffensive" hält er nicht für hilfreich. "Wer möchte sich bei seiner Trauung als Objekt einer ???Qualitätsoffensive' begreifen?"

Insgesamt ist das Impulspapier ein mutiger Vorstoß der EKD. Eine ernsthafte Beschäftigung damit lohnt auf jeden Fall - wenn auch in Westfalen und Lippe manche der Vorschläge längst auf den Weg gebracht sind: Zusammenlegung von Gemeinden, Bildung von Gestaltungsräumen, Fusion der Kirchlichen Hochschulen und der Diakonischen Werke.

Dagegen sieht die Lippische Landeskirche keine Notwendigkeit zur Verschmelzung mit anderen Kirchen. Laut Landessuperintendent Martin Dutzmann könne keine Rede davon sein, dass die Lippische Landeskirche allein nicht überlebensfähig sei.

Auch im Blick auf die westfälische Kirche bleibt festzuhalten, dass eine Fusion mit der rheinischen Kirche wegen der Größe des dann entstehenden Gebildes nicht sinnvoll ist - wohl aber Fusionen und Kooperationen von Einrichtungen, die auch bereits im Gespräch sind.

Strukturveränderungen sind sinnvoll - wenn sie dazu führen, dass die Kirche mit ihrer Selbstverwaltung nicht zu viele Mittel bindet. Hüten muss man sich aber davor, zu meinen, dass allein durch Strukturveränderungen, Bildung größerer Einheiten und Zentralisierung automatisch alles besser würde. Das ist nicht der Fall. Wichtig ist, dass die Gemeindenähe der Angebote gewahrt ist. Kirche muss auch in Zukunft nah bei den Menschen sein.

Über den richtigen Weg um die Zukunft der Kirche lohnt es sich zu streiten. Auch in UK. Die Kirchenzeitung ist dafür das geeignete Forum. Alles, was an den Reformvorschlägen aus Hannover nach menschlichem Ermessen fundiert und vernünftig erscheint, sollte man sorgfältig prüfen. Umgesetzt werden sollte dann, was daran als "gut" erkannt wird.

 

    

 

    

Text: Evangelische Wochenzeitung Unsere Kirche

  

 

Dieser Artikel ist entnommen worden von der Online-Ausgabe von der Evangelische Wochenzeitung Unsere Kirche

 

 (Qu: UK 29/2006)

 

       

(Quelle: EKD)


Zukunftskongress "Kirche der Freiheit im 21. Jahrhundert" 

(Wittenberg, 25. - 27. Januar 2007)



 

  

   
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