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Das
sind ehrgeizige Ziele: Die Zahl der Gottesdienstbesucher soll
von vier auf zehn Prozent der Kirchenmitglieder steigen. Ebenso
will man die "Taufquote" steigern. Die Kirchensteuer
wird durch freiwillige Zahlungen ergänzt, das Bildungsangebot
ausgebaut.
Die
gesamte kirchliche Arbeit muss nach Ansicht der EKD neu
ausgerichtet werden. Vor allem soll wieder klarer, kräftiger
und hörbarer zum christlichen Glauben eingeladen werden.
"Wo
Evangelium draufsteht, muss Evangelium erfahrbar sein", heißt
es. Die Autoren fordern von allen, die in der Kirche
mitarbeiten:
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geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität
-
Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit
-
Beweglichkeit in den Formen statt Erhalt von Strukturen
-
Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit.
Nach
Jahrzehnten, in denen in der evangelischen Kirche häufig
Vielfalt mit Beliebigkeit verwechselt wurde, sind das klare
Worte.
Um
nicht weniger als um einen Mentalitätswandel geht es also. Die
geistlich- missionarische Kompetenz der Pfarrerinnen und Pfarrer
soll gestärkt, die Qualität des kirchlichen Angebots
verbessert werden. Fünf Prozent aller Personalkosten will man künftig
in die Fortbildung der Mitarbeitenden investieren, um vor allem
bei Amtshandlungen, Gottesdienst und Religionsunterricht eine
Qualitätssteigerung zu erreichen. Vor allem soll in
"zukunftsverheißende Arbeitsgebiete" investiert
werden.
Was
aber heißt das konkret? Den Verfassern ist klar, dass der
Kinder- und Jugendarbeit für die Zukunft der Kirche besondere
Bedeutung zukommt. Eines der Ziele lautet, dass 90 Prozent der
Kinder in den ersten sechs Lebensjahren mit biblischen
Geschichten und christlichen Traditionen in Berührung kommen.
Die Zahl der evangelischen Schulen soll steigen, die
Bildungsarbeit in Kirche und Diakonie das evangelische Anliegen
deutlicher sichtbar machen als bisher.
Noch
gezielter als bisher will die evangelische Kirche die öffentliche
Diskussion prägen. An weitere Kampagnen wie für den
Sonntagsschutz ist gedacht, eine Profilierung der 50
bedeutendsten Kirchen oder einen Kulturpreis des
Protestantismus. Sogar eine Mitgliederzeitung wird erwogen - ein
Punkt, der bislang als "unbezahlbar" galt. Der auch
die Frage aufwirft, wie weit die EKD die eingeführten
Kirchenzeitungen, etwa UK, noch im Blick hat.
Festhaken
wird sich die Debatte vermutlich an dem Vorschlag, etliche der
23 Landeskirchen zusammenzulegen. Nach Ansicht des pfälzischen
Kirchenpräsidenten Eberhard Cherdron bewirken Fusionen und
Zentralisierung der Kirche nicht unbedingt eine bessere Arbeit.
Er hält es für fraglich, ob Grundsätze aus der Wirtschaft die
Kirche zukunftsfähig und attraktiv machen. Worte wie
"Trauquote" und "Qualitätsoffensive" hält
er nicht für hilfreich. "Wer möchte sich bei seiner
Trauung als Objekt einer ???Qualitätsoffensive'
begreifen?"
Insgesamt
ist das Impulspapier ein mutiger Vorstoß der EKD. Eine
ernsthafte Beschäftigung damit lohnt auf jeden Fall - wenn auch
in Westfalen und Lippe manche der Vorschläge längst auf den
Weg gebracht sind: Zusammenlegung von Gemeinden, Bildung von
Gestaltungsräumen, Fusion der Kirchlichen Hochschulen und der
Diakonischen Werke.
Dagegen
sieht die Lippische Landeskirche keine Notwendigkeit zur
Verschmelzung mit anderen Kirchen. Laut Landessuperintendent
Martin Dutzmann könne keine Rede davon sein, dass die Lippische
Landeskirche allein nicht überlebensfähig sei.
Auch
im Blick auf die westfälische Kirche bleibt festzuhalten, dass
eine Fusion mit der rheinischen Kirche wegen der Größe des
dann entstehenden Gebildes nicht sinnvoll ist - wohl aber
Fusionen und Kooperationen von Einrichtungen, die auch bereits
im Gespräch sind.
Strukturveränderungen
sind sinnvoll - wenn sie dazu führen, dass die Kirche mit ihrer
Selbstverwaltung nicht zu viele Mittel bindet. Hüten muss man
sich aber davor, zu meinen, dass allein durch Strukturveränderungen,
Bildung größerer Einheiten und Zentralisierung automatisch
alles besser würde. Das ist nicht der Fall. Wichtig ist, dass
die Gemeindenähe der Angebote gewahrt ist. Kirche muss auch in
Zukunft nah bei den Menschen sein.
Über
den richtigen Weg um die Zukunft der Kirche lohnt es sich zu
streiten. Auch in UK. Die Kirchenzeitung ist dafür das
geeignete Forum. Alles, was an den Reformvorschlägen aus
Hannover nach menschlichem Ermessen fundiert und vernünftig
erscheint, sollte man sorgfältig prüfen. Umgesetzt werden
sollte dann, was daran als "gut" erkannt wird.
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