Hannover (epd).
Noch ist die Landkarte des Protestantismus in Deutschland stark
zersplittert und ähnelt in manchen Regionen einem
Flickenteppich. Die rund 25,6 Millionen evangelischen Christen
sind in 23 Landeskirchen organisiert. Deren Zuschnitt hat
zumeist historische Wurzeln. Die Grenzen
richten sich häufig nach den Konturen deutscher Einzelstaaten,
wie sie beim Wiener Kongress 1815 festgelegt wurden. In
einem neuen Impulspapier der evangelischen Kirche wird jetzt
eine Reduzierung der Landeskirchen bis zum Jahr 2030 auf acht
bis zwölf empfohlen.
Mit den heutigen Bundesländern decken sich die Gebiete der
Landeskirche nur in wenigen Fällen. Ein Beispiel dafür ist die
Evangelische Kirche im Rheinland - mit 2,9 Millionen Mitgliedern
zweitgrößte Landeskirche in der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD). Sie erstreckt sich von Emmerich bis nach
Saarbrücken und ist damit in vier Bundesländern tätig:
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen. Auf
dem Gebiet des Landes Sachsen-Anhalt wiederum sind sogar sechs
evangelische Kirchen präsent.
Unter dem Druck sinkender Finanzkraft und rückläufiger
Mitgliederzahlen gibt es derzeit vor allem unter den
evangelischen Landeskirchen in den neuen Bundesländern
Bestrebungen in Richtung Fusion. Bereits
2004 haben sich die Berlin-Brandenburgische Kirche und die
Kirche der schlesischen Oberlausitz zusammengeschlossen. Die
neue "Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische
Oberlausitz" hat 1,3 Millionen Mitglieder.
Die Evangelische-Lutherische Kirche in Thüringen und die
Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen bildeten im Juli
2004 eine Föderation mitteldeutscher Kirchen. Nach den
Vorstellungen der beiden Kirchenleitungen soll diese Föderation
in eine Fusion münden. Die Entscheidung
über eine vereinigte evangelische Kirche in Mitteldeutschland,
die rund eine Million Mitglieder hätte, soll 2007 fallen.
Wirksam werden soll der Zusammenschluss 2009.
Auch in Mecklenburg-Vorpommern rückt eine Vereinigung der
beiden Landeskirchen näher. Bis zum Herbst wollen die
Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs (214.000
Mitglieder) und die Pommersche Evangelische Kirche (106.000
Mitglieder) den Synoden eine Rahmenvereinbarung vorlegen, die
den Zeitplan und die Regelungen für das Zusammengehen enthalten
soll. Wenn der Fahrplan eingehalten wird,
könnte es 2010 eine "Evangelisch-Lutherische Kirche in
Mecklenburg und Vorpommern" geben.
Erst zögerlich kommen dagegen Kooperationsprozesse zwischen den
Landeskirchen in Westdeutschland in Gang. In Hessen wollen sich
die Kirche von Hessen-Nassau (1,8 Millionen Mitglieder) und die
Landeskirche Kurhessen-Waldeck (960.000 Mitglieder) verstärkt
dem Kooperationsthema zuwenden. Dabei soll geprüft werden, ob
bislang von den beiden Kirchen getrennt wahrgenommene Aufgaben
auf eine gemeinsame Ebene übertragen und landeskirchliche
Arbeitsfelder zusammengeführt werden könnten. Langfristig könnte
eine Föderation eine Option sein.
Anfang 2005 wurde überdies bekannt, dass die beiden großen
evangelischen Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen an eine stärkere
Kooperation denken. Dabei geht es unter anderem um die
Zusammenlegung der Pädagogisch-Theologischen Institute der
westfälischen und der rheinischen Kirche, die zusammen 5,7
Millionen Mitglieder haben.
Schon drei Jahrzehnte zurück liegt die erste Neugliederung im
Bereich der evangelischen Kirche. Aus dem
Zusammenschluss der Landeskirche von Schleswig-Holstein, der
Stadtkirchen von Lübeck und Hamburg sowie der Landeskirche
Eutin und des zu Hannover gehörenden Kirchenkreis Harburg ging
Anfang 1977 die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche
hervor.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1794/05.07.06)
Copyright:
epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
|