Die
von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vorgelegten
Reformvorschläge für alle kirchlichen Ebenen haben neben
positiven Reaktionen auch Kritik ausgelöst. Der evangelische
Bischof Axel Noack (Magdeburg) begrüßte am Donnerstag das
Impulspapier. Hingegen kritisierte der pfälzische Kirchenpräsident
Eberhard Cherdron (Speyer) die EKD-Empfehlungen. Besonders die
Vorschläge zur Fusion vieler Landeskirchen und damit zum Umbau
der kirchlichen Landschaft stoßen auf Widerspruch. Bei
Politikern gab es Beifall für das neue Perspektivpapier.
Der
EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, unterstrich die
Bedeutung des EKD-Vorstoßes. Wenn die Kirche untätig bliebe, würde
sie dramatisch an Handlungsfähigkeit verlieren, sagte Huber am
Donnerstag im Bayerischen Rundfunk: "Jetzt haben wir aber
noch die Chance, gegenzusteuern, Handlungsspielraum zu gewinnen
und dabei gleichzeitig den Rückenwind auszunutzen, der sich ja
daraus ergibt, dass es ein neues Interesse an Kirche, an
Glauben, an Religion gibt."
Der
Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, Thomas
Rachel, sagte, der EKD-Ratsvorsitzende Huber verdiene volle
Unterstützung für das Papier. In der Zukunftsdebatte liege
eine große Chance für die EKD. Die kirchenpolitische
Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Ingrid Fischbach,
erklärte: "Mein Interesse ist, dass uns die Kirchen als
Partner erhalten bleiben." Ihr sozialpolitisches und
kulturelles Wirken trage zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei.
Die
EKD hatte angesichts des demographischen Wandels und
schwindender Finanzkraft umfassende Reformen angeregt. Unter
anderem wird in dem Text "Kirche der Freiheit"
vorgeschlagen, die Zahl der Landeskirchen von 23 auf acht bis zwölf
zu verringern. Eine Fusion der evangelischen Landeskirchen in
Baden-Württemberg ist aus deren Sicht weiterhin nicht
vorstellbar. Eine Kirche mit dann mehr als 3,5 Millionen
Mitgliedern würde nur die Nähe zur Basis verlieren, teilte die
badische Landeskirche auf epd-Anfrage mit. Der württembergische
Landesbischof Frank Otfried July sagte, eine Fusion beider
Kirchen stehe nicht auf dem Programm.
Kirchenpräsident
Cherdron sprach sich ebenfalls gegen eine Fusion seiner Kirche
mit anderen Landeskirchen aus. Fusionen und Zentralisierung führten
in der Kirche nicht unbedingt zu besserer Arbeit, sagte er in
Speyer. Obwohl die pfälzische Landeskirche mit 620.000
Mitgliedern zu den kleineren innerhalb der EKD zähle, habe sie
eine gute Größenordnung. In dem Zeitraum bis 2030 sei die pfälzische
Landeskirche auf jeden Fall auch alleine wirtschaftlich und
inhaltlich lebensfähig, sagte der Kirchenpräsident.
Der
schaumburg-lippische Bischof Jürgen Johannesdotter sieht das
EKD-Papier mit Skepsis. "Das ist ein typisches Papier von
Vertretern großer Kirchen für große Kirchen", sagte er
im niedersächsischen Bückeburg. Die Bedeutung der Konfession
werde unter Wert gehandelt. Die lutherische, reformierte oder
unierte Prägung dürfe nicht übergangen werden.
Schaumburg-Lippe ist mit rund 63.000 Mitgliedern die
zweitkleinste Kirche in der EKD. Johannesdotter lehnte eine
Fusion seiner Landeskirche mit anderen ab.
Gegen
zu schnelle Forderungen nach neuen landeskirchlichen
Zusammenschlüssen wandte sich auch der reformierte Kirchenpräsident
Jann Schmidt (Leer). Über konfessionelle Traditionen und
Bindungen dürfe nicht leichtfertig hinweggegangen werden:
"Evangelisch ist eben nicht gleich evangelisch."
Unterstützt wurden die Vorschläge zur Verringerung der Zahl
der Landeskirchen in der Nordelbischen Kirche. Dafür dürfe man
sich nicht zu viel Zeit lassen, bekräftigte der nordelbische
Synodenpräsident, Hans-Peter Strenge.
Der
Dresdner Landesbischof Jochen Bohl erklärte, er sehe durch die
Reformpläne den Fortbestand seiner Landeskirche nicht in Frage
gestellt. "Es wird nach aktueller Entwicklung eine Kirche
in Mitteldeutschland geben, gebildet aus der Landeskirche Thüringen
und der Kirchenprovinz Sachsen", sagte er der
"Leipziger Volkszeitung" (Freitagausgabe).
"Daneben wird es aber auch weiter eine Landeskirche Sachsen
mit Sitz in Dresden geben."
Die
Bremische Evangelische Kirche rief dazu auf, ohne Scheuklappen
den Sinn der jetzigen landeskirchlichen Grenzen zu diskutieren.
"Ohne Zweifel wird es in 25 Jahren nicht mehr 23
Landeskirchen geben", sagte der theologische Repräsentant
Louis-Ferdinand von Zobeltitz dem epd. Bremen gehört mit rund
242.000 Mitgliedern zu den kleineren der 23 Landeskirchen in der
EKD. Noack, Bischof der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz
Sachsen, warnte in der "Leipziger Volkszeitung" vor
einem Rückzug der Kirchen aus der Fläche.
(08038/6.7.2006)