Kirche der Freiheit | Zukunftskongress der EKD ...

Impulspapier & Zukunftskongress

der EKD

Kirche der Freiheit

   


Pfr. D. Qualmann,

Vorsitzende der Steuerungsgruppe

im Oldenburger Strukturprozess

Die Webredaktion bat Herrn Pfr. Qualmann, Vorsitzenden der Steuerungsgruppe und Mitglied der Synode, um ein kleines Statement zum Impulspapier der EKD "Kirche der Freiheit" und welche möglichen Auswirkungen, Chancen oder Folgen dies für den Strukturprozess in Oldenburg bzw. die zukünftige Kooperation in der niedersächsischen Konföderation haben könnte. Wir haben dankenswerter Weise umgehend "eine erste, kurze Stellungnahme zu [unseren] Anfragen" erhalten. "Dabei verbinde ich beide Fragen zu einem Statement, das durchaus auch polemische Züge hat", merkt der Autor an. Dennoch hält die Webredaktion dieses Statement für sehr wertvoll und nachdenkenswert:

"Zur aktuellen Strukturdiskussion in der EKD und in Oldenburg"

Das Impulspapier der EKD löst bei einem interessierten Oldenburger, der in der eigenen Kirche seit etwa 10 Jahren an Strukturfragen arbeitet, starke Ambivalenzen aus. Da sind zum einen Richtigkeiten und Selbstverständlichkeiten, die wir - allerdings ohne Erfolg - in Oldenburg seit 1998 ("Gelbes Papier") propagieren. Dabei geht es um eine innere Strukturveränderung der kirchlichen Arbeit (Aufgabenorientierung, Zielgruppendefinition, Evaluation, Qualitätsmanagement), die erhebliche Auswirkungen oder Voraussetzungen für das Verständnis von Gemeinde und Pfarramt haben würde.

Zum anderen enthält das Impulspapier mit seiner Verliebtheit im Zahlensymbolismus aber auch Ärgerlichkeiten, die unnötig wären. Der Titel 'Kirche der Freiheit' provoziert jeden ökumenischen Theologen und mit der Definition einer Landeskirche als der "symbolischen regionalen Repräsentanz des Protestantismus" sollten wir uns in der Ökumene besser nicht blicken lassen. Das Papier lässt jeden substantiellen, kritischen Religionsbegriff vermissen, es sei denn, die Emotionen in der Westkurve bei Borussia Dortmund sollen die neuen Paradigmen evangelischer Frömmigkeit sein. So wirkt das Impulspapier wie ein Gesellenstück aus der Tunning-Werkstatt des ekklesiologischen Neoliberalismus.

Der zentralistische Gestaltungswahn der Verfasser ist mehr als irritierend. Wie der Gottesdienstbesuch von 4 % (in Oldenburg 2,5 %) auf 10 % gesteigert werden soll, bleibt ein Geheimnis und lässt vermuten, dass eher die Manager eines Automobilkonzerns am Werke waren. Allerdings ist es auch bezeichnend, dass die drei Sätze über die Zahl der Landeskirchen die größte Resonanz erzielt haben. O. K., die Zahl 8- 12 Kirchen ist wohl einfach aus der Föderalismusdiskussion im Bund abgekupfert, dennoch ist eine Reform der Landeskirchen überfällig. Nur, diese muss aufgabenorientiert gemacht werden. Lassen wir einmal die Albernheiten, wie man sie aus Dessau hört (Anhalt mit 53.000 Gemeindegliedern), wo die Tradition des Fürstentums beschworen wird, beiseite, so bleibt doch die Einsicht, dass Fusionen am grünen Tisch in so traditionsbelasteten Institutionen wie den evang. Landeskirchen nicht klappen. Feindliche Übernahmen sind ebenso wenig verheißungsvoll. Notwendig sind verstärkte, arbeitsteilige Kooperationen und die Verstärkung der Konföderation in Niedersachsen. Die Entmachtung der Konföderationssynode vor einigen Jahren war da allerdings sehr kontraproduktiv. M. a. W. Oldenburg müsste selbst aktiv werden mit Vorschlägen zur Neugestaltung der niedersächsisch/bremischen Kirchenlandschaft. 

Was ist nun neu in der Strukturdebatte in Oldenburg und anderswo? Die Zeit des Malens von Leitbildern ist vorbei, es geht um Entscheidungen, die operationalisierbar sind. Kirche ist ein theologisches, organisatorisches und finanzielles System. Veränderungen müssen alle drei Strukturen bedenken und berücksichtigen.

Aurelius Augustinus wünschte sich, dass über allen Gemeinden die Einsicht schweben solle: "Wir lassen uns gemeinsam auf Veränderungen ein." Wenn denn eine evangelische Kirche wirklich "Kirche der Freiheit" sein sollte, wird sie zudem von der Unverfügbarkeit des Geistes Gottes wissen, auf den sie angewiesen bleibt.

Ihr

Dieter Qualmann



Kirche der Freiheit - Impulspapier

Das Impulspapier...

Der Rat der EKD hat auf Anregung der Kirchenkonferenz im Herbst 2004 eine Perspektivkommission eingerichtet, die den Auftrag hatte, Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert zu entwickeln. 

Die zwölf Mitglieder der Kommission, zusammengesetzt aus Mitgliedern des Rates, der Kirchenkonferenz und externen Beratern, haben anderthalb Jahre intensiv daran gearbeitet und frühzeitig das Gespräch gesucht. Unter dem Titel "Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert" liegt diese Arbeit als Impulspapier des Rates der EKD nun vor. [weiter...  Zum Text

Die Mitglieder der Perspektivkommission...

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EKD will mit Reformprozess Handlungsfähigkeit sichern

Das Kirchenamt der EKD

 

Hannover (epd). Die evangelische Kirche will unter dem Druck des demographischen Wandels und schwindender Finanzkraft einen umfassenden Reformprozess einleiten, um mehr Menschen zu erreichen.  [...] Die EKD empfiehlt darin eine Konzentration auf Kernangebote und die Durchforstung kirchlicher Strukturen auf allen Ebenen. 

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