Prof. Alfred Jäger

(Qu: KiHo Bethel)

Kirche und Management

Schon in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts konnte man feststellen, dass sich im kirchlichen Nonprofit-Bereich Berge von typischen Management-Problemen aufstauten, die jedoch nicht als solche erkannt, geschweige denn mit entsprechenden ansätzen eines zeitgemässen Management angegangen wurden.

Dagegen standen zahlreiche theologisch überhöhte, faktisch jedoch ideologisch motivierte Abwehrargumente, die in Zeichen des gewachsenen Wohlstands nur schlecht eine verbreitete Verwaltungs- und Versorgungsmentalität verdeckten.
  • Zur selben Zeit war schon absehbar, dass die Nachkriegsgeneration mit stetigem Wachstum an ihr Ende kommen musste, mit gravierenden, langfristigen Folgen auch für verfasste Kirche und Diakonie.
  • Seit Mitte der 80er Jahre lernten diakonische Einrichtungen im Nu, sich auf die neuen Rahmenbedingungen des Sozialstaates einzurichten. Der erste Schritt geschah in der Regel im Kopf von Führungsleuten mit dem Gedanken: "Ab sofort sind wir ein christliches Unternehmen und wir verhalten und gestalten uns langfristig nach innen und aussen entsprechend." Zumeist und fast flächendeckend war dieses neue Denken mit Leitbild-Prozessen innerhalb der Unternehmen verbunden, die zu tief greifenden Transformationen führten. Diakonie - und in entsprechender Weise Caritas - hat die Lektion der Zeit schnell gelernt.
  • Um so erstaunlicher ist es, dass sich verfasste Kirchen - andern gesellschaftlichen Grossorganisationen wie Gewerkschaften und Universitäten vergleichbar - bis heute mit diesem Umdenken noch immer sehr schwer tun und noch immer in der Phase des phantasielosen Rotstifts verharren, anstatt Management-Probleme professionell anzugehen.
  • Der steigende Kostendruck wird diesen Prozess auf allen Ebenen, von der Gemeinde über den Kirchenkreis bis zur Landeskirche und darüber hinaus, wie von selbst beschleunigen. Unter Insidern ist schon längst klar, dass auf der Basis von gegebenen demographischen Fakten das Kirchensteueraufkommen bis ins Jahr 2030 kontinuierlich auf 50% schrumpfen wird, wenn noch einige lokale Faktoren dazu kommen, wird es noch deutlich weniger sein.
  • Mit blossen Streichkonzerten sind die Herausforderungen, die darin stecken, nicht mehr zu bewältigen. Statt dessen steht auch für verfasste Kirche ein Leitbildwechsel an: Von der Verwaltung zur Gestaltung, von der Kirche des Wohlstands zur Kirche in engen Grenzen, von der Stabilität zur Flexibilität und zur permanenten Transformation. Wie können wir mit der Hälfte der Mittel besseres kirchliches Leben ermöglichen? Ich halte diese typische Management-Aufgabe sowohl theologisch und ekklesiologisch als auch ökonomisch für lösbar, wenn - wie in der Diakonie - ein Ruck durch die Reihen geht.

Prof. Alfred Jäger, Bielefeld

 

Prof. Alfred Jäger 

ist Dozent für Systematisch Theologie 

sowie Studienleiter im 

Kompetenzzentrum Diakoniewissenschaft 

an der Kirchlichen Hochschule in Bethel.






  

   
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