Dagegen standen
zahlreiche theologisch überhöhte, faktisch jedoch ideologisch
motivierte Abwehrargumente, die in Zeichen des gewachsenen
Wohlstands nur schlecht eine verbreitete Verwaltungs- und
Versorgungsmentalität verdeckten.
- Zur selben Zeit war schon
absehbar, dass die Nachkriegsgeneration mit stetigem
Wachstum an ihr Ende kommen musste, mit gravierenden,
langfristigen Folgen auch für verfasste Kirche und
Diakonie.
- Seit Mitte der 80er Jahre
lernten diakonische Einrichtungen im Nu, sich auf die neuen
Rahmenbedingungen des Sozialstaates einzurichten. Der erste
Schritt geschah in der Regel im Kopf von Führungsleuten mit
dem Gedanken: "Ab sofort sind wir ein christliches
Unternehmen und wir verhalten und gestalten uns langfristig
nach innen und aussen entsprechend." Zumeist und fast
flächendeckend war dieses neue Denken mit
Leitbild-Prozessen innerhalb der Unternehmen verbunden, die
zu tief greifenden Transformationen führten. Diakonie - und
in entsprechender Weise Caritas - hat die Lektion der Zeit
schnell gelernt.
- Um so erstaunlicher ist es,
dass sich verfasste Kirchen - andern gesellschaftlichen
Grossorganisationen wie Gewerkschaften und Universitäten
vergleichbar - bis heute mit diesem Umdenken noch immer sehr
schwer tun und noch immer in der Phase des phantasielosen
Rotstifts verharren, anstatt Management-Probleme
professionell anzugehen.
- Der steigende Kostendruck
wird diesen Prozess auf allen Ebenen, von der Gemeinde über
den Kirchenkreis bis zur Landeskirche und darüber hinaus,
wie von selbst beschleunigen. Unter Insidern ist schon
längst klar, dass auf der Basis von gegebenen
demographischen Fakten das Kirchensteueraufkommen bis ins
Jahr 2030 kontinuierlich auf 50% schrumpfen wird, wenn noch
einige lokale Faktoren dazu kommen, wird es noch deutlich
weniger sein.
- Mit blossen
Streichkonzerten sind die Herausforderungen, die darin
stecken, nicht mehr zu bewältigen. Statt dessen steht auch
für verfasste Kirche ein Leitbildwechsel an: Von der
Verwaltung zur Gestaltung, von der Kirche des Wohlstands zur
Kirche in engen Grenzen, von der Stabilität zur
Flexibilität und zur permanenten Transformation. Wie
können wir mit der Hälfte der Mittel besseres kirchliches
Leben ermöglichen? Ich halte diese typische
Management-Aufgabe sowohl theologisch und ekklesiologisch
als auch ökonomisch für lösbar, wenn - wie in der
Diakonie - ein Ruck durch die Reihen geht.
Prof. Alfred Jäger, Bielefeld
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