|
Zusammenfassung
(einige Klammern enthalten ergänzenden Anmerkungen und
Hinweise)
Kirche
der Freiheit. Perspektiven für das 21. Jahrhundert - Das
Impulspapier der EKD
Mit
den Stichworten demographische Umbrüche, finanzielle Einbußen,
die Spätfolgen zurückliegender Austrittswellen, hohe
Arbeitslosigkeit und globalisierter Wettbewerb sind
herausfordernde Themen der Gesellschaft und damit auch der
Evangelischen Kirche in Deutschland genannt. Auf diese – zum
Teil schwer zu beeinflussende Faktoren – kann unterschiedlich
reagiert werden, weiß der Rat der EKD. In einem Anfang
Juli veröffentlichtem Impulspapier sieht das
Leitungsgremium der Kirche mit über 26 Millionen Mitgliedern
drei Alternativen: Das bisherige Handeln so fortführen wie
bisher; alle Aktivitäten entsprechend der sich veränderden
Realitäten gleichmäßig abschmelzen oder aktiv das Umbauen,
das Umgestalten und das Neuausrichten der kirchlichen Arbeit zu
gestalten (aggieren statt reagieren). Um diese dritte
Alternative anzugehen, hat der Rat das Impulspapier „Kirche
der Freiheit“ veröffentlicht. Ziel ist ein WACHSEN GEGEN DEN
TREND.
In
zwölf „Leuchtfeuern“ werden Herausforderungen, sich daraus
ergebende Aufgaben und die möglichen Ziele benannt. Damit ist
das Impulspapier kein fertiges Rezeptbuch für eine Strategie
der kommenden Jahre, sondern eine DISKUSSIONSGRUNDLAGE für die
nächsten Wochen und Monate. „Es gehört zum Selbstverständnis
reformatorischer Kirchen, Kurskorrekturen durch theologische
Reflexion und innerkirchlichen Diskurs zu steuern,“ schreibet
der Vorsitzende des Rates des EKD, Bischof Wolfgang Huber, im
Vorwort.
Voraussetzung
hierfür ist eine Verständigung darüber, was „evangelisch im
21. Jahrhundert“ bedeutet:
Das
Christentum muss als kirchliches, als öffentliches und als
individualisiertes Christentum sein Profil schärfen (vgl. dazu
das Motto vom nächsten DEKT 2007 in Köln). Dazu gehört die
ihm eigene Würdigung der modernen Lebenswelt. Die Vorstellung,
die öffentliche und private Frömmigkeit könne sich auch ohne
Kirche als Institution weiterentwickeln, erscheint als naiv.
Gleichgültigkeit gegenüber der äußeren Gestalt wird als
Irrweg bezeichnet. Schlüsselbilder sind die Rede vom „Salz
der Erde“, vom „Licht der Welt“ und vom „Leib
Christi“, die die Kirche nach biblischer Überlieferung sein
soll.
Vier
biblischen Grundannahmen folgend sollen möglichst viele in der
Kirche an vier Schwerpunkten mitdiskutieren:
-
„Geistliche Profilierung statt undeutliche Aktivität“
-
„Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit“
-
„Beweglichkeit in den Formen statt Klammern an
Strukturen“
-
„Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit“
Ein
Aufbruch sei in den Handlungsfeldern...
a)
in den kirchlichen Kernangeboten
b)
bei allen kirchlichen Mitarbeitenden
c)
beim kirchlichen Handeln in der Welt und
d)
bei der kirchlichen Selbstorganisation nötig.
Die
zwölf Leuchtfeuer verdeutlichen in diesen vier
Handlungsfeldern, in welche Richtung die Autoren des
Impulspapiers denken: Jeweils unter dem Motto: „Auf Gott
vertrauen und das Leben gestalten ...“
Aufbruch
in den kirchlichen Kernaufgaben 1-3
1.Leuchtfeuer:
Den Menschen geistliche Heimat geben
Situation:
Die Innere Pluralität der ev. Kirche ist Versuchung und Segen
zugleich, festzustellen ist eine bedauerliche Neigung zum
Separatismus und Defizite in der Verantwortungsbereitschaft für
das Ganze. Eine Milieuverengung hat Überforderungen und Qualitätsverluste
zur Folge.
Perspektiven:
Es sollen vergleichbare Qualitätsstandarts in den Kernvollzügen
(Gottesdienst, Taufe, Trauung, Bestattung ...) geschaffen
werden. Notwendig hierfür ist eine beständige Fort- und
Weiterbildung der Mitarbeitenden. Der Umgang mit den Kirchenräumen
und dem Kernbestand zentraler geistlicher Texte, Lieder und
Gesten muss verbessert werden.
Ziele:
Die Zahl der Gottesdienstbesucher soll von 4 auf 10% aller
Kirchenmitglieder gesteigert werden. Alle Verstorbenen, die zur
ev. Kirche gehör(t)en, sollen kirchlich bestatt, alle Kinder
aus evangelischen Elternhäusern sollen getauft werden. Eine
Taufquote von 100% wird angestrebt.
2.Leuchtfeuer:
Die Vielfalt evangelischer Gemeindeformen bejahen
Situation:
Deutliche Milieuverengung in den Gemeinden. Menschen begegnen
der Kirche aber zunehmend zu besonderen Gelegenheiten. Die
anlassbezogene Teilnahme (Kasualien-Versorgung) wird zur
missionarischen Grundsituation. Erste Erfahrungen in situativen
Verkündigungssituationen sind Tourismus (z.B. Kirchenführung,
aber auch „Kirche unterwegs“ u.ä.) Krankenhaus, Militärseelsorge
in der Bundeswehr (analog in anderen Berufsgruppen wie
Polizeiseelsorge...), Citykirchenarbeit (bzw. deren Projekt- und
Kulturarbeit) und evangelische Bildungsarbeit wie z.B. in den
Ev. Akademien.
Perspektive:
Derzeit ist eine Entwicklung verschiedener Gemeindeformen zu
verzeichnen. Neben herkömmlichen Parochialgemeinden (wohnortabhängig)
existieren Anstaltsgemeinden (z.B. Krankenhaus, Gefängnis, ...)
und zunehmend Profilgemeinden. Diese werden verstärkt zu
Regionalkirchen zusammengefasst, die die geistliche Versorgung
koordinieren. Passantengemeinden (z.B. Tourismuskirchen)
gewinnen neben neuen klosterähnlichen Gemeinschaften ein neues
Gewicht. Dazu kommt die Größe der schwer definierbaren
Mediengemeinden z.B. Fernsehgottesdienst, verstärkt aber auch
Internetforen.
Ziele:
Folgendes Verhältnis der Finanzausstattung wird für 2030
angestrebt: Parochie 50% (derzeit 80%), Profilgemeinden 25%
(derzeit 15%), Netzwerkorientierte Gemeindeformen 25% (derzeit
5%). Dazu sind Konsequenzen für die Verteilung der Ressourcen,
für die Ausgestaltung/Definition des Berufsbilds
„Pfarrer/in“ sowie Konsequenzen für die Aus-, Fort- und
Weiterbildung von Nöten.
3.Leuchtfeuer:
Ausstrahlungsstarke Begegnungsorte evangelischen Glaubens
schaffen und stärken
Situation:
Die Last der Arbeit wird durch die Verknappung der Finanzen auf
weniger Schultern verteilt. Die Belastung ist aufgrund der
verzweigten und kleinteiligen Gemeindestruktur groß. Durch die
Ausdünnung ist die vitale Kraft der Verkündigung nicht mehr spürbar.
Perspektiven:
Die Konzentration der Kräfte auf ausstrahlungsstarke
Begegnungsorte (wie ein Leuchtturm) mittels überzeugender Verkündigung
(auch eine Frage der Authenzität), gastfreundlicher Herbergen,
Kirchenmusik (in vielen Landgemeinden ist die Kirche der letzte
verbleibende Kultur- und Bildungsträger), akademieartige
Angebote (Bildungsarbeit) sowie Kindergärten, Schulen und
Diakonie jeweils mit erkennbaren evangelischen Profilen ermöglicht
eine Verstärkung des Profils „Kirche für andere“ (kann
auch als Form der Nächstenliebe formuliert werden). Dazu ist
eine Rückgewinnung der Kirchenräume sinnvoll. Konzentration
auf Kinder- und Jugendarbeit wie auf die Kirchenmusik.
Ziele:
Herausgehobene Begegnungsorte schaffen ein regionales Zugehörigkeitsgefühl.
Sie werden durch eine regionale Führungskraft und
ehrenamtlichen Mitwirkenden gestaltet.
Aufbruch
bei allen kirchlichen Mitarbeitenden 4-6
4.Leuchtfeuer:
Durch geistliche Kompetenz, Qualitätsbewusstsein und
Leistungsbereitschaft bei den Menschen Vertrauen gewinnen
Situation:
Auf kirchliche Mitarbeiterinnen kommen erhebliche Solidaritätserwartungen
zu. Welche Berufsgruppen sind der Profilierung des Evangelischen
besonders dienlich? Welche dienen der Mission?
Perspektiven:
Kirche braucht motivierte Mitarbeiter. Leistungsanreize steigern
die Motivation z.B. Orientierungsgespräche, Zielvereinbarungen,
360-Grad Feedbacks, Fortbildung...
Ziele:
5% aller Personalkosten werden in die Fort- und Weiterbildungen
investiert. Angemessene – nicht notwendigerweise finanzielle
– Honorierung besonderer Leistung, Maßnahmen der Personalführung
und Beurteilung.
5.Leuchtfeuer:
Das Priestertum aller Getauften und das freiwillige Engagement
als Kraftquelle der evangelischen Kirche fördern
Situation:
Vier Millionen Ehrenamtliche arbeiten in der Kirche im Bereich
Kinder- Jugend-, Musik- und Seniorenarbeit. Sie tun dies auf der
Basis des „Priestertum aller Glaubenden“. Die Dehnung des
parochialen Netzes lässt die Kirche stärker auf Ehrenamtliche
angewiesen sein. Sie sollen gottedienstliches Leben auch dort
ermöglichen, wo Pfarrpersonal knapp wird.
Perspektiven:
Neben dem hauptamtlichen Ordinierten stehen der Kirche sog.
„ins Ehrenamt Ordinierte“, Prädikanten (zwei-jährige
nebenberufliche Ausbildung), Lektorinnen und engagierte Laien
zur Verfügung. Die Hauptamtlichen haben die Aufgabe, die
Nebenamtlichen in ihrem Zeugendienst zu stärken. Anleitung und
Begleitung werden zur Hauptkompetenz. Pfarrerinnen und Pfarrer
werden „wandernde Prediger.“
Ziele:
Erhöhung der Zahl der Ehrenamtlichen im Verhältnis zur
Gesamtzahl der Kirchenmitglieder, die Aufgaben in eigener
Verantwortung wahrnehmen. Verhältnis von Pfarrern, Lektoren und
Prädikanten von 1:1:1 soll angestrebt werden.
6.Leuchtfeuer:
Den Beruf der Pfarrerinnen und Pfarrer als Schlüsselberuf der
evangelischen Kirche stärken
Situation:
Im Amt des Pfarrers/der Pfarrerin existiert eine für die
evangelische Kirche spezifische Form des Dienstes in Verkündigung,
Verwaltung, Führung und Vorbild. Die angemessene Vergütung bürgt
für Qualität. Erwartet werden liturgische Kompetenz,
homiletische (Predigt-)Stärke, seelsorgerliches Einfühlungsvermögen
und theologische Wachheit mit sozialer und motivierender
Kommunikationskompetenz.
Perspektiven:
Die richtigen Menschen mit den richtigen Fähigkeiten am
richtigen Ort. Das Vergütungsniveau soll gleich bleiben, verstärkt
werden die Möglichkeiten der Entsendung, Versetzung und
Neubeauftragung. Das Landeskinder-Prinzip soll gelockert werden.
Besondere Leistungen sollen höher vergütet werden können. Die
Anleitungsaufgaben treten in den Mittelpunkt. Bei
gleichbleibender Entwicklung sinkt die Zahl der Pfarrer von
21.000 auf 13.000.
Ziele:
Förderung theologischer wie seelsorgerlicher
Amtshandlungskompetenz, missionarische Innovationskompetenz,
gabenorientierte Motivations- uund Qualifikationskompetenz, Führungskompetenz.
Förderung außerpfarramtlicher Berufserfahrung. Zielvorgabe:
16.500 bei stagnierender Mitgliedschaft von 31,3% der Bevölkerung.
5% der Personalkosten für Weiterbildungsmaßnahmen.
Aufbruch
beim kirchlichen Handeln in der Welt 7-9
7.Leuchtfeuer:
Evangelische Bildungsarbeit als Zeugnisdienst in der Welt
verstehen
Situation:
Bildung ist die Schlüsselressource der Zukunft. Kirche hat
einen Bildungsauftrag, zielt auf existentielle Orientierung,
ethische Urteilsfähigkeit und Motivation zur Übernahme von
Verantwortung. Religionsunterricht wird bis auf Ausnahmen
(Berlin) in seiner Bedeutung für eine religiös plurale
Gesellschaft gewürdigt. Manchen kirchlichen Angeboten ist aber
selbst die Konzentration auf den spezifisch evangelischen
Beitrag zur Bildung verloren gegangen.
Perspektiven:
Einführung in eine evangelische Frömmigkeitstradition, zur
(Wieder-)Kenntnis biblischer Grundtexte, zentraler
Glaubensaussagen, Begegnung mit wichtigen Gebeten und Liedern.
Verständigung über den evangelischen „Grundbestand“
(wichtigste Lieder- Texte, Herzensbildung durch Vorbilder...).
Daraus ergibt sich die Stärkung eines evangelischen Profils.
Neue Formen des Gesprächs zwischen Kirche und Kultur,
Journalisten, Juristen und Medien werden eingeübt.
Ziele:
Fort- und Weiterbildung der in der kirchlichen Bildungsarbeit
zuständigen Personen. 90% aller Kinder eines Jahrganges (!)
kommen in den ersten sechs Jahren in Berührung mit der
christlichen Tradition (z.B. vor allem Alumniarbeit). Einmal jährlich
finden evangelisch geprägte Multiplikatorentreffen zwischen führenden
Kräften in der Kirche und gesellschaftlichen Eliten statt.
8.Leuchtfeuer:
Diakonie evangelisch profilieren
Situation:
Der diakonische Bereich umfasst rund 400.000 MitarbeiterInnen.
Umfragen zeigen eine hohe Wertschätzung des diakonischen
Dienstes der Kirche in der Bevölkerung. Die Diakonie arbeitet
als Anbieter unter anderen (am Sozial-Markt). Muss dabei aber
das evangelische Profil wahren. Helfendes Handeln enthält an
sich keinen Hinweis auf seine Motivation. Unternehmerisches
Denken in der Diakonie selbst schwächt oft deren
anwaltschaftliches Mandat.
Perspektiven:
Erkennbarkeit der Diakonie als Werk der Kirche stärken durch
diakonisch orientierte Profilgemeinden. Zukunftsfähigkeit der
diakonischen Strukturen stärken durch angemessene Trägerstruktur,
mit ausreichenden Betriebsgrößen, verbesserten Steuerungsmöglichkeiten
und Qualifikationen des Personals. Das unverwechselbar Eigene
der kirchlichen Liebestätigkeit ist herauszustellen und zu
unterstreichen.
Ziele:
Alle diakonsichen Einrichtungen stehen im Jahr 2030 in
Partnerschaftsbeziehungen zu Kirchengemeinden. Verbesserte
Identifikation des Personals mit der Institution Kirche. Mission
unter den Mitarbeitern. Die Abhängigkeit von staatlichen Zuschüssen
ist verringert.
9.Leuchtfeuer:
Themenmanagement und Agenda-Setting bewusst stärken
Situation:
Die Programmatik der protestantischen (Landes-)Kirche wird durch
den ihr eigener Pluralismus als liberal, aber eben auch als
diffus und uneinheitlich wahrgenommen.
Perspektiven:
Eine breit angelegte Themenagenda steigert die Erkennbarkeit der
evangelischen Kirche. Bestimmte Themen (z.B. „Ohne Sonntag
gibt’s nur noch Werktage“) werden bewusst gestaltet und
gesteuert. Betonung des gemeinsam Christlichen (Kreuz, Ostern,
Weihnachten usw.) wie auch „evangelische Skyline“:
Lutherbibel, ev. Gesangbuch, Reformatoren Luther, Zwingli und
Calvin, evangelische Komponisten Bach und Brahms, Symbolräume
(Frauenkirche, Hamburger Michel, ...).
Ziele:
Durch geeignete Kommunikationsstrategien werden mit einem Budget
von jährlich 3 Millionen Euro evangelische Themen in die Öffentlichkeit
kommuniziert (z.B. Paul Gerhardt 2007). Ideen für eine Aufwärtsagenda
sind: Zukunftskonferenz, Wettbewerb um 50 überzeugendste
Missionsideen, 100 innovativste Ideen zur Förderung von
Kirchengebäuden, Kulturpreis des deutschen Protestantismus.
Anwendung moderner Kundenbindungsinstrumente (z.B.
Mitgliederzeitung).
Aufbruch
bei der kirchlichen Selbstorganisation
10.Leuchtfeuer:
Die finanzielle Solidarität aller Kirchenmitglieder stärken
und ergänzende Finanzierungssysteme etablieren
Situation:
Rückgang der Einnahmen aufgrund demographischer Entwicklung,
Kirchenaustritten, Arbeitslosigkeit und politisch vollzogener
Verlagerung der Steuerlast von den direkten auf die indirekten
Steuern. Ausfälle wurden ohne erhebliche Schulden kompensiert.
Erhebliche Eigenmittel fließen aber bereits in den Erhalt der
Gebäude. Neue Wege der Finanzierung: Projektbezogene Förderung,
Finanzierung von Personalstellen durch Gemeinden, Fördervereine
und Mäzene, Fundraising. Zusätzlich Spenden können aber nur
durch qualitätsvolle und emotional anrührende Projekte
steigen.
Perspektiven:
Ergänzung zur allgemeinen Kirchensteuerpflicht ist bereits
Kirchgeld (Ortskirchgeld), welches, stilsicher und ansprechend
vermittelt, gefordert werden soll. Eventuell eine Einrichtung
einer Dachstiftung deutscher Protestantismus, die
Fundraisingprojekte für die Gliedkirchen organisiert. Wie
bereits bei „Brot für die Welt“ deutschlandweite Kampagnen
zu bestimmten Projekten. Kultur der Würdigung von Sponsoren.
Ziel:
In 2030 machen die Einnahmen der EKD aus eingeworbenen Mitteln
20% des Gesamthaushaltes aus.
11.Leuchtfeuer:
Die Konzentration der Kräfte in den Landeskirchen vorantreiben
Situation:
23 Landeskirchen erfüllen den Dienst der regionalen Repräsentanz
gegenüber staatlich-gesellschaftlichen Institutionen, Besetzung
der Stellen, Beratung, Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter. Föderalismus
vereinzelt aber die Gliedkirchen und ist teuer. Nachteile einer
dezentralen Struktur sind eine abstimmungsintensive
Reaktionsweise auf gesellschaftliche Herausforderungen.
Perspektiven:
Vorteil, mit den jeweils regionalen Bedingungen und
Besonderheiten vertraut zu sein, darf nicht durch
Zentralisierung zerstört werden. Dennoch brauchen gerade kleine
Landeskirchen eine ausreichende Größe. Die künftige Zahl der
Landeskirchen soll sich daher an der politischen Gliederung der
Bundesländer orientieren.
Ziel:
2030 soll es 8 bis 12 Landeskirchen mit nicht weniger als je
eine Million Mitglieder geben.
12.Leuchtfeuer:
Die EKD-Ebene für ein „Evangelisch in Deutschland“
profilieren
Situation:
Heute gibt es drei vorrangige Identifikations- und
Beheimatungsebenen für evangelische Christen: Gemeinden,
Landeskirchen und die EKD. Letztere profiliert ein
„Evangelisch-Sein in Deutschland“: Menschen fühlen sich
trotz steigender Mobilität und situativer Teilnahme am
kirchlichen Leben deutschlandweit in „ihrer Kirche“
beheimatet.
Perspektiven:
In Zukunft soll ein Christenmensch unbeschadet seiner
finanziellen Verpflichtung und Zugehörigkeit zu einer
bestimmten Landeskirche ein Bewusstsein für seine Zugehörigkeit
zur Evangelischen Kirche haben, das nicht durch Umzüge oder
Auslandsaufenthalte verloren geht. Kirchensteuern sollen aus dem
Ausland zahlbar sein. Die Dienstleistungen der EKD für die
Gliedkirchen werden wichtiger, sie leistet dies durch
Kompetenzzentren und Dienstleistungszentren. Die Gliedkirchen stützen
ausgewählte große Kirchengebäude als überregionale
Identifikationspunkte des Evangelischen. Jeder kann Mitglied
dieser Gemeinden werden (siehe auch Internetgemeinden).
Ziele:
Dienstleistungszentren:
Organisation und Management, Beihilfezentrum und
Personalabrechnung, Steuern und Kirchensteuern, Fundraisung und
Stiftungswesen, Koordinationszentrum zu Meldewesen und
Statistik.
Kompetenzzentren:
Je für Gottesdienst, Predigt und Kirchenmusik, den Dialog
zwischen Theologie und Wissenschaften, Führungsämter in Kirche
und Diakonie, Fort- und Weiterbildung, Weltanschauungsfragen,
interreligiöser Dialog, sozialwissenschaftliche Fragen,
Konfirmanden- und Jugendarbeit, missionarische Aktivitäten,
Dialog mit gesellschaftlichen Multiplikatoren.
Kirchen
als thematische Zentren: Berliner Dom (Kirche und Politik),
Frauenkirche (Friedens- und Versöhnungsarbeit), Lorenzkirche Nürnberg
(Tourismusarbeit), Stiftskirche Stuttgart (Missionskirche),
Wittenberger Schlosskirche (Predigtkultur), Thomaskirche Leipzig
(Kirchenmusik), Reinaoldikirche Dortmund (soziale
Verantwortung), Hamburger Michel (Wirtschaftsdialog).
Nächste
Schritte:
...
für den angestrebten Mentalitätswechsel sind der angestoßene
Diskussionsprozess und der Zukunftskongress vom 25.-27. Januar
2007 in Wittenberg. In einer Reform-Charta soll als Angebot zur
Selbstverpflichtung im Bereich der europäischen Ökumene
entworfen werden. Zu Beginn stehen die in Wittenberg zu
entwerfende Themenagenda und Jahresthemen für die Jahre 2007
bis 2017 (Reformationsjubiläum). Dazu soll eine effektive
Qualitätssteigerung der Angebote in den Kernbereichen (Taufe,
Gottesdienst, Trauuungen, Beerdigung, Seelsorge...) durch die
Erarbeitung verlässlicher Qualitätsstandarts mit Hilfe
wirksamer Gemeindevisitation, kollegialer Beratung und
Integration von Kasualien und Gemeindeaufbau erreicht werden.
|