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Eine Alternative zum Kirchensteuersystem...

   

                   Warum eine Alternative?

 

"In der Bundesrepublik Deutschland geriet die Kirchensteuer 1973 in Folge der „Freiburger Thesen“ der FDP in die Diskussion, da von der Partei die Trennung von Staat und Kirche und damit die Ersetzung des staatlichen Kirchensteuereinzugs durch ein kircheneigenes Beitragssystem gefordert wurde. In abgeschwächter Form finden sich diese Forderungen auch heute noch im Programm der FDP. Ähnliche Positionen wurden früher außerdem von der Partei „Die Grünen“ formuliert. Auch die Linkspartei lehnt sowohl die grundgesetzliche Verankerung der Kirchensteuer als auch deren staatlichen Einzug ab." (Qu: Wikipedia)

Schon der am 20. September 1998 zwischen der SPD und Bündnis 90/Die Grünen ausgehandelte Koalitionsvertrag ließ deutlich werden, daß bezüglich des Verhältnis Staat-Kirche der status quo festgeschrieben wird und die Partei Bündnis 90/Die Grünen sich mit ihren radikalen Vorstellungen z.B. der Abschaffung der Kirchensteuer nicht durchsetzen konnten. Der Koalitionsvertrag läßt allerdings auch die Grundtendenz erkennen, daß die deutschen Wähler einen schlanken Staat wollen, der sich auf seine zentralen Aufgaben zurückzieht und die Steuern senkt. Da die Kirchensteuer in der Höhe ihrer Veranlagung an die Einkommenssteuer gekoppelt ist, läuft die Absenkung der Einkommenssteuer auch auf eine Senkung der Kirchensteuer hinaus...  [...] Bereits zwischen 1992 und 1997 gingen die Kirchensteuereinnahmen um 11 Prozent zurück und betrugen 1997 für die katholischen Diözesen 8,1 Mrd DM und die EKD-Gliedkirchen 7,5 Mrd DM. Das bedeutet, daß durch den Rückgang der Kirchensteuer indirekt auch Forderungen des Koalitionsvertrages umgesetzt werden, also das auch die Kirchen schlanker und effizienter organisiert werden sollten. Hinzu kommt noch das innerkirchliche Problem, daß die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, sodaß auch dadurch die Einnahmen sinken und die Kirchen sich auf ihre zentralen Aufgaben zurückziehen müssen. (Qu: Die neue Ordnung - Heft 6 1999)
Das Hauptproblem stellt aber zur Zeit keine Kirchenaustrittsbewegung dar, im Gegenteil: In einigen Landeskirchen konnten durch Wiedereintrittstellen und entsprechenden Kampagnen die Austrittszahlen wieder ausgeglichen werden. Aber dennoch sinken die Zahlen der Kirchenmitglieder, und dies ist durch Deutschlands eigentliches Hauptproblem verschuldet: Der demographische Einbruch, welcher selbst durch eine von Aktionismus geprägte Politik kann die bundesdeutsche Gesellschaft diesem Problem nicht mehr aus dem Weg gehen. Und neben der Arbeitslosigkeit hat der demographische Wandel und somit der Rückgang von zuküftigen Arbeitsnehmern Auswirkungen auf ein künftiges Einkommensteueraufkommen.

(Qu: http://www.jjahnke.net/steuern.html )

Die bundesdeutscher Steuerpolitik tendiert in jüngster Zeit - nicht erst seit der großen Koalition - dazu, aus wirtschaftlichen Gründen die direkten Steuern (z.B. den Einkommenssteuern als Ertragssteuer) abzusenken und die stattlichen Aufgaben immer mehr durch sog. indirekten Steuern zu bestreiten. Da die Kirchensteuern an die Einkommenssteuern gekoppelt sind, ist diese Tendenz für die Kirchen von Nachteil. 

Politikwissenschaftliche Beobachtungen stellen fest, dass sich das Wählerverhalten insgesamt immer mehr zu Ungunsten der großen Parteien, in den Medien nach der letzten Bundestagswahl war sogar vom langsamen Aussterben der großen Volksparteien die Rede (mehr Infos...). Sollte die aktuelle Große Koalition scheitern oder ihre Reformpolitik nicht entsprechend gut genug beim Wähler verkaufen können, könnte sich das Bild der bundesdeutschen Parteienlandschaft schnell ändern. Es häufen sich die Stimmen, die bereits für die nächste Bundestagswahl das "Aus" für die großen Volksparteien prophezeihen, und dann könnte nach der aktuellen  Legislaturperiode schon 2009 kleine Parteien im warsten Sinne des Wortes das (bzw. die) Steuer in die Hand nehmen. Die derzeit im Bundestag vertretenen kleinen Parteien stehen dem Modell Kirchensteuer sehr kritisch gegenüber (s.o.).
Das deutsche Kirchensteuersystem ist nicht einmalig, wird aber nur in wenigen Staaten in ähnlicher Weise praktiziert. Dazu noch weiteres auf der kommenden Seite. Es sei aber schon angemerkt, dass sich im Zuge der "Europäisierung" und des stetigen Zusammenwachsens der Mitgliedstaaten auch eine Entwicklung abzeichnet, dass es mittel- oder langfristig keine Kirchensteuersysteme nach deutschem Modell mehr geben wird, denn in den meisten Mitgliedsstaaten ist die Trennung von Staat und Kirche auch in der Steuerpolitik verankert. Exemplarisch sei hier der Laizismus Frankreichs erwähnt, wo zumindest nach der staatlichen Verfassung die Kirchen theoretisch "den gleichen Stellenwert haben wie ein Kaninchenzüchterverein" (ohne Letztgenannten unnötig abwerten zu müssen, aber dieser Diskussionsbeitrag soll hier kurz skizzieren, dass das Priveleg, welches die Kirchen in Deutschland (noch) genießen, im internationalen Vergleich eher die Ausnahme als der Regelfall ist).

Es gibt aber auch die Position, dass es gerade im Interesse Europas liegt, die Vielfalt aufrecht zu halten: "Der Europäischen Gemeinschaft ist die Bewahrung der kulturellen Vielfalt und damit auch eines vielfältigen Europäischen Staatskirchenrechts gesetzlich aufgetragen..." [Hier geht es zum ganzen Beitrag von Dr. Jens Petersen, OKR im Kirchenamt der EKD...]

Sollte die Gleichbehandlung der Religionen im europäischen Kontext einmal Thema des Europäischen Gerichtshofes werden, könnte sich aber schon schnell zeigen, wie es auf dem juristischen Feld bestellt ist. Ein juristisches Urteil könnte die Entwicklung zu Ungunsten des bundesdeutschen Kirchensteuersystems noch beschleunigen. 
Aber auch im bundesdeutschen Kontext werden juristische Fragen bewegt: "Die Kirchensteuer ist verfassungswidrig. Zu diesem Ergebnis kommt Reiner Moysich und hat Klage eingereicht." So lautet ein Artikel auf der Internetdomain www.kirchensteuer.de , auf der kritische aber auch polemische Diskussionsbeiträge gegen das Modell der Kirchensteuer zusammengetragen werden. Wer möchte, kann den Artikel hier nachlesen...

    

      

 

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