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Die Aufteilung der Finanzmittel... VI

   

 

Was passiert mit dem Geld vor Ort?
Einkauf von Dienstleistungen

     

Ein Dienstleistungsmarkt in der Kirche
Das restliche Budget steht den Gemeinden zur freien Verfügung offen. Es obliegt den Kirchenräten bzw. den Finanzauschüssen der Gemeinden oder Gemeindeverbände, welche und wieviele "Leistungen" eingekauft werden. Und diese betreffen im Grund alle Handlungsfelder der Kirche, so dass eine Art innerkirchlicher Markt von Dienstleistungen entsteht: Die Verwaltung von Wort und Sakrament, Überregionale Jugendarbeit, Bildungsarbeit und die Kirchenmusik in den verschiedensten Facetten, Missionarische Dienste für Gemeindeaufbau-, Beratung und Entwicklung, Supervision und Fortbildungen aller Art stehen auf dem Markt zur Verfügung. Das Ganze mag nun erstmal erschreckend "kapitalistisch" durchtränkt klingen, aber defacto stehen doch auch schon innerkirchlichen Angebote im Wettbewerb: Ist die Freizeit in Norwegen interessanter als der Ausflug nach Taize?

    

Was hat dies zur Folge?
Aber der entscheidende Unterschied zum bisherigen Modell ist, dass die Anbieter darauf angewiesen sind, dass ihre Angebote auch eingekauft werden. Denn was nicht eingekauft wird, wird auch nicht bezahlt. So wie sich das Diakonische Werk mit seiner spezifischen Unternehmensphilosophie und dem hervorzuhebenen evangelisch/christlichen Profil auf einem Markt durchsetzt, so werden auch die anderen Bereiche in der Kirche ihrer "Produkte" gut vermarkten müssen. Zweifelsohne wird sich die Kirchenmusik, die Senionrenbetreuung und die Jugendarbeit gegenüber kommunalen oder privaten Anbietern behaupten müssen und können (in diesem Wettbewerb haben wir uns ja schon längst eingefunden). Dennoch wird hier an einigen Stellen auch mehr Anstrenung und Leistung gefragt sein, denn Angebote ohne Publikum werden mit leeren Kassen darstehen. 

Diese Entwicklung ist für die Kirche insgesamt aber auch sehr gesund, denn schon längst stehen Effektivität und Sinngehalt kirchlicher Angebote auf dem "Markt der Religionen" in Konkurrenz. Die Nachfrage nach Religiösen boomt und auch in Deutschland gibt es Kirchen und konfessionelle Strömungen die proportional gesehen rasant wachsen. Nur in den Landeskirchen sind wachsende Kirchengemeinde eher die Ausnahmefall als die Regel (aber es gibt auch boomende Gemeinde in den Landeskirchen!). In Zeiten von Wirtschaftsstagnation und Arbeitslosigkeit wächst der Bedarf nach Antworten auf Sinnfragen. Neue und fernöstliche Religionen stehen hoch im Kurs und sind in jeder Bahnhofsbuchhandlung anzutreffen - von gesellschaftlichen Phänomenen wie den "Herrn der Ringe" oder "Harry Potter" als Ersatzreligionen einmal ganz zu zweigen. Doch das wachsende Interesse an Religion und Spiritualität kommt den großen Volkskirchen bisher kaum zu Gute - auch die vielen missionarischen Angebote von der Fangemeinde bis hin zur Fußballkirche konnten angesichts der "Fußballgötter" nur Tropfen auf dem heißen Stein darstellen: Schon lange fragt man sich, ob insbesondere die Volkskirchen Angebote machen, für die es kaum noch Nachfrage gibt.

Aber hier ist auch Vorsicht Geboten. Wenn die Frohe Botschaft nur noch dem aktuellen Zeitgeist angepasst wird, verliert das "Unternehmen Kirche" schneller Profil, als es gewinnen kann. Und der Medientrubel um die Papstwahl und den Weltjugendtag der alten "Mutterkirche" zeigte, dass das Festhalten und Bewahren guter alter Werte auch als authentisch wahrgenommen und gewürdigt wird. Im Zeiten des vieldiskutierten "Wertezerfalls" ist das drehen der Fahne im Wind nicht ratsam. Insbesondere sei aber hier unterstrichen, dass das "Unternehmen Kirche" eben nicht allein ein Menschliches ist. Als Anhänger eines trinitarische Gottes dürfen wir auf die Weiheit und Führung seines guten Geistes hoffen und bauen (aber auch damit rechenen!). Aber auch im Vertrauen auf "Gottes Mission" sind wir gefragt, seine Hände und Werkzeuge zu sein.

 

    

      

Rubrik: Kirche und Management

Rubrik: Kirche und Reform

Rubrik: Der Auftrag der Kirche

 

 

      

       

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