Das
restliche Budget steht den Gemeinden zur freien
Verfügung offen. Es obliegt den Kirchenräten bzw. den
Finanzauschüssen der Gemeinden oder Gemeindeverbände,
welche und wieviele "Leistungen" eingekauft
werden. Und diese betreffen im Grund alle
Handlungsfelder der Kirche, so dass eine Art
innerkirchlicher Markt von Dienstleistungen entsteht:
Die Verwaltung von Wort und Sakrament, Überregionale
Jugendarbeit, Bildungsarbeit und die Kirchenmusik in den
verschiedensten Facetten, Missionarische Dienste für
Gemeindeaufbau-, Beratung und Entwicklung, Supervision
und Fortbildungen aller Art stehen auf dem Markt zur
Verfügung. Das Ganze mag nun erstmal erschreckend
"kapitalistisch" durchtränkt klingen, aber
defacto stehen doch auch schon innerkirchlichen Angebote
im Wettbewerb: Ist die Freizeit in Norwegen
interessanter als der Ausflug nach Taize?
Was hat dies zur Folge?
Aber der
entscheidende Unterschied zum bisherigen Modell ist,
dass die Anbieter darauf angewiesen sind, dass ihre
Angebote auch eingekauft werden. Denn was nicht
eingekauft wird, wird auch nicht bezahlt. So wie sich
das Diakonische Werk mit seiner spezifischen
Unternehmensphilosophie und dem hervorzuhebenen
evangelisch/christlichen Profil auf einem Markt
durchsetzt, so werden auch die anderen Bereiche in der
Kirche ihrer "Produkte" gut vermarkten
müssen. Zweifelsohne wird sich die Kirchenmusik, die
Senionrenbetreuung und die Jugendarbeit gegenüber
kommunalen oder privaten Anbietern behaupten müssen und
können (in diesem Wettbewerb haben wir uns ja schon
längst eingefunden). Dennoch wird hier an einigen
Stellen auch mehr Anstrenung und Leistung gefragt sein,
denn Angebote ohne Publikum werden mit leeren Kassen
darstehen.
Diese Entwicklung ist
für die Kirche insgesamt aber auch sehr gesund, denn
schon längst stehen Effektivität und Sinngehalt
kirchlicher Angebote auf dem "Markt der
Religionen" in Konkurrenz. Die Nachfrage nach
Religiösen boomt und auch in Deutschland gibt es
Kirchen und konfessionelle Strömungen die proportional
gesehen rasant wachsen. Nur in den Landeskirchen sind
wachsende Kirchengemeinde eher die Ausnahmefall als die
Regel (aber es gibt auch boomende Gemeinde in den
Landeskirchen!). In Zeiten von Wirtschaftsstagnation und
Arbeitslosigkeit wächst der Bedarf nach Antworten auf
Sinnfragen. Neue und fernöstliche Religionen stehen
hoch im Kurs und sind in jeder Bahnhofsbuchhandlung
anzutreffen - von gesellschaftlichen Phänomenen wie den
"Herrn der Ringe" oder "Harry
Potter" als Ersatzreligionen einmal ganz zu
zweigen. Doch das wachsende Interesse an Religion und
Spiritualität kommt den großen Volkskirchen bisher
kaum zu Gute - auch die vielen missionarischen Angebote
von der Fangemeinde bis hin zur Fußballkirche konnten
angesichts der "Fußballgötter" nur Tropfen
auf dem heißen Stein darstellen: Schon lange fragt man
sich, ob insbesondere die Volkskirchen Angebote machen,
für die es kaum noch Nachfrage gibt.
Aber hier ist auch
Vorsicht Geboten. Wenn die Frohe Botschaft nur noch dem
aktuellen Zeitgeist angepasst wird, verliert das
"Unternehmen Kirche" schneller Profil, als es
gewinnen kann. Und der Medientrubel um die Papstwahl und
den Weltjugendtag der alten "Mutterkirche"
zeigte, dass das Festhalten und Bewahren guter alter
Werte auch als authentisch wahrgenommen und gewürdigt
wird. Im Zeiten des vieldiskutierten
"Wertezerfalls" ist das drehen der Fahne im
Wind nicht ratsam. Insbesondere sei aber hier
unterstrichen, dass das "Unternehmen Kirche"
eben nicht allein ein Menschliches ist. Als Anhänger
eines trinitarische Gottes dürfen wir auf die Weiheit
und Führung seines guten Geistes hoffen und bauen (aber
auch damit rechenen!). Aber auch im Vertrauen auf
"Gottes Mission" sind wir gefragt, seine
Hände und Werkzeuge zu sein.
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