Anlage zum Initiativ-Antrag auf der Frühjahrs-Synode 2005

(siehe Synodenbericht)

 

    

   

   

An die

Mitglieder der 46. Synode

    

 

Eingabe als Tischvorlage –

Einsetzung einer Arbeitsgruppe für Gemeindebau & Gemeinde-Entwicklung

    

   

Antragstext:

Die Synode oder ein von ihr beauftragter Ausschuss setzt – falls nicht schon von der Steuerungsgruppe oder anderweitig geschehen – ein Arbeitsgruppe ein, die sich gezielt um Ansätze über Gemeindewachstum und Gemeindeentwicklung engagiert. Zu den Aufgaben einer solchen Arbeitsgruppe gehören:

-          Informationen über Projekte zum Gemeindewachstum / Gem.-Pflanzung, missionarische Aktionen, Glaubenskurse etc. zusammentragen und

-          eine Info-Plattform als Austausch- und Ideen-Börse anbieten

-          Gezielt Kirchengemeinden zu Maßnahmen des Gem.-Wachstums ermutigen, beraten und unterstützen

-          Konzepte überregional vernetzen und

-          entsprechende Öffentlichkeitsarbeiten / PR-Maßnahmen zu den Kampagnen starten / koordinieren

   

    

Begründung:

Wie auf der letzten Herbstsynode (6. Tagung der 46. Synode) festgestellt wurde, wären eine Steigerung der Kircheneintrittszahl und ein Zuwachs an Gemeindemitglieder die ideale Form,[1] um der finanziellen Herausforderung der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg[2] zu begegnen, die durch das bisher sinkende Kirchensteueraufkommen[3] geschürt wird. Gleichzeitig stellt Europa statistisch als einziger Kontinent mit negativen Gem.-Wachstumsraten[4] auch eine inhaltliche Herausforderung für die Kirche dar, der sich die Kirchen gemeinsam[5] stellen sollten: Das Land der Reformation ist längst zu einem Missionsland geworden. Neben der Erstmission sog. unerreichten Volksgruppen ist die Neuevangelisation von Völkern,[6] die bereits einmal von der frohen Botschaft gehört haben, die Aufgabe der Kirchen in Europa schlechthin. Denn Mission ist nicht nur eine Kernaufgabe der Kirche,[7] sondern sie ist „eine Frage des Glaubens“[8] und eine Aufgabe, der sich kein Christ entziehen kann.[9]

Neben der Diakonie und der „klassischen“ Evangelisation[10] sind als Formen von Erwachsenenausbildung oder Gemeinde-Katechetik insb. Glaubenskurse gut erprobte Methoden, um sowohl kirchlich Distanzierte als auch bisher eher zurückhaltende Gemeindemitglieder unterschiedlichen Alters für eine aktive Gemeindemitgliedschaft zu gewinnen.

  

Der in Großbritannien von der anglikanischen Kirche entwickelte Alphakurs ist z.B. ein sehr erfolgreicher Glaubenskurs,[11] der mittlerweile weltweit überkonfessionell Anwendung findet.[12] In Deutschland greifen derzeit hauptsächlich röm.-kath. Gemeinden und aus dem Spektrum des Protestantismus freikirchliche Gemeinden und Verbände auf diesen Erfahrungsschatz zurück. Alphakurse finden beispielsweise auch in baptistischen Gemeinschaften Anwendung, obwohl oder gerade weil der Kurs die Schwerpunkte nicht auf „Spezialprobleme“ wie die Kinder- oder Glaubenstaufe legt, sondern die Basics und das automatische Hineinwachsen in die Gemeinschaft der jeweiligen Kirchengemeinde vor Ort zum Inhalt hat.

Natürlich gibt es auch hier eine Fülle von alternativen Methoden & Angeboten, in der badischen evang. Landeskirche wird beispielsweise hauptsächlich mit dem Glaubenskurs & Gabentest D.I.E.N.S.T gearbeitet. Die praktikable Methode entscheidet sich natürlich auch im Kontext der jeweiligen Situation vor Ort und sollte auch entsprechend evaluiert werden, um eine Nachhaltigkeit zu erlangen.

   

    

   

Umsetzungsvorschlag:

Ein Umsetzungsvorschlag wäre z.B. eine Projekt-Kampagne5% + “.

Gemeinden, die ein Wachstum von über 5% erzielen, könnten ihre Ausgabe für die missionarischen Ideen von dem Kirchensteuermehreinkommen stufenweise erstattet bekommen. Eine Gemeinde, die eine Wachstumsrate von über 10% erreicht, würde also nicht nur zur „Rettung“ des landeskirchlichen Haushaltes beitragen, sondern auch spürbar vor Ort Ressourcensteigerungen (und zwar nicht nur finanziell, sondern eben auch personell und ideell) einfahren.

Aber wie in der „großen Politik“ der Parteien gilt: Wer an der 5%-Hürde scheitert, war diesmal vielleicht noch nicht kreativ und engagiert genug, konnte die Helferinnen und Helfer bzw. die „Wählermassen“ vielleicht noch nicht ausreichend mobilisieren und kann sich daher die „Wahlkampfkosten“ leider nicht erstatten lassen.

Damit der Anstoß aber erst einmal leichter erfolgen kann, wäre natürlich auch eine zweckgebundene finanzielle Grundausstattung möglich, die allen Kampagnen-Teilnehmern oder „Wettstreitern“ als Anschubfinanzierung dienen kann.

    

   

   

Ich denke der Pool an Ideen ist hier unbegrenzt und ich verbleibe in der Hoffnung, dass diese kleine Anregung – in welcher Form auch immer – vielleicht einen dienlichen Beitrag leisten kann, mit freundlichen Grüßen

   

   

Stefan Bölts

   

   

Stefan Bölts

Schwanallee 53

35037 Marburg

Tel. 0177-5614697

info@stefan-boelts.de

www.stefanboelts.com

www.c-projekt.de

www.studierende-oldenburg.de

   

   

    

[1] Vgl. Synodenbericht der Stud. Synodenbeobachter zur Herbstsynode 2004.

[2] Vgl. Beschlussvorlage III – Strukturen, Synodaler Pfr. Qualmann, Frühjahrssynode 2004.

[3] Vgl. Volkskirche bleiben. Weiterentwicklung der Perspektiven für die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, Mai 2004, S. 21; Perspektiven kirchlichen Handelns in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, Mai 1998, S. 38.

[4] Vgl. Statistik der DMG (Deutsche Missions Gesellschaft), Mai 2005.

[5] Vgl. Europa mitgestalten, Johannes Friedrich, in: Miteinander für europae, 08.05.2004, S. 52f; Das gemeinsame Handeln und Zeugnis ist auch Thema in der Charta Oecumenica aus dem Jahre 2001, siehe: Das 1x! der Ökumene, Udo Hahn, Neukirchen-Vluyn 2003, S. 139; Europa braucht Christus, Ulrich Parzany, in: Miteinander für europae, 08.05.2004, S. 29; ; ferner: EINS. Wie wir als Christen glaubwürdig werden, Rudolf Westerheide, 2004, S. 21ff.

[6] Vgl. Enzyklika Redemptoris Missio Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. über die fortlaufende Gültigkeit des missionarischen Auftrages, hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn, 7. Dezember 1990, S. 36.

[7] Vgl. Volkskirche bleibe, 2004, S. 11, ferner Synode der EKD 1999.

[8] Vgl. Redemptoris Missio, S. 17.

[9] Vgl. Redemptoris Missio, S. 9, ferner S. 85.

[10] Damit sind z.B. Formen wie „Massenevangelisation“ durch Podienredner, Straßeneinsätze oder Freunschaftsevangelisaton  - z.T. zielgruppenorientiert unter Jugendlichen, Studierenden etc., gemeint.

[11] Vgl. Ein Großteil der neuen Christen kommt über Alpha, in: Alpha Update, Ausgabe April 2005, S. 3.

[12] Vgl. Alpha Kurs, in: Alpha Update, Ausgabe April 2005, S. 5; ferner: Was ist Alpha?, ebenda S. 6ff.

  

   

   

weiteres zum Thema:

Synodenberichte im Überblick

Studientag Gemeindeaufbau- & Entwicklung

Synodeneingaben etc.     Steuerungsgruppe    Berichte    Studientage

weitere Dokumente zum Perspektivprozess