Bericht von der 8. Tagung der 45. Synode

am 23. und 24. November 1999

oder: Wie die Synode einen Wettlauf zum Festakt bestreitet... [Herunterladen]

 

Der Ablaufplan sah eine Synode vor, die am Donnerstag um 13 Uhr endet, doch die Synodalen wollten sich nicht auch noch diesen Tag mit ihrer Landeskirche befassen, sondern wohl endlich mal wieder ausschlafen.

So trafen sich wir uns am Dienstag nicht wie gewohnt in der St.-Ulrichs-Kirche in Rastede, sondern feierten eine Andacht im „atmosphärischen“ Sitzungssaal der HVHS Rastede, die Herr Harrack gestaltete.

Auf der Tagesordnung stand vor allem das Haushaltsgesetz für das Haushaltsjahr 2000 (ein ungefähr 150 Seiten umfassendes Werk, das unsere Landeskirche auch in diesem Jahr arbeitsfähig halten soll). Am Anfang dieses Tagesordnungspunktes hielt OKR Schrader die Haushaltsrede, in der er deutlich machte, dass die Kirche ohne ehrenamtliche MitarbeiterInnen nicht arbeitsfähig wäre. So sprach er ihnen und auch allen KirchensteuerzahlerInnen seinen Dank aus. Im weiteren gab er seine Ziele für dieses und folgende Haushaltsgesetze an, wobei er langfristig von folgenden Konstanten ausgeht:

1.      Rückgang der Mitgliederzahlen (letzten zwei Jahre: 10.000 Gemeinde- mitglieder weniger) Gründe: demographische Entwicklung, gewandeltes Bewusstsein der nachwachsenden Generationen.

2.      Mindereinnahmen durch die staatliche Steuerpolitik (mehr indirekte Steuern).

3.      Arbeitslosigkeit wird konstant bleiben, d.h. keine Mehreinnahmen.

Daraus folgen seine Ziele: keine Lockerung der Sparziele, Wachstum der Kirche durch Attraktivitätssteigerung (möglichst ohne Mehrausgaben!).

Im Jahr 1999 gab es eine vorübergehende Erhöhung der Kirchensteuereinnahmen um 5,301 % durch Sonderabschreibungen bei der Kircheneinkommensteuer, diese Erhöhung darf aber nach OKR Schrader nicht überbewertet werden, da es sich nur um vorübergehende Mehreinnahmen handelte. Im ganzen fällt das Fazit also eher negativ aus: weiter sparen und Konzentration auf die wesentlichen kirchlichen Aufgaben, sodass andere Bereiche entweder stark gekürzt werden und wegfallen werden. Der Gesamthaushalt beträgt für die Oldenburger Landeskirche für das Jahr 2000 127,8 Mio. DM, die dann auf die einzelnen Aufgabenfelder verteilt worden sind. Das eingebrachte Haushaltsgesetz wurde in beiden Lesungen mit sehr großer Mehrheit von der Synode verabschiedet.

Wandeln wird sich in der Oldenburger Landeskirche die Akademiearbeit. Denn mit einer Gesetzaufhebung hat es die Synode möglich gemacht, dass von nun an die Akademie ein Teil des Bildungswerkes sein wird, dadurch sollen mehr Fachleute mit- arbeiten und eine größere Vielfalt und Menge von Angeboten (auch regional verteilt) ermöglicht werden. Als kleinen Auszug aus der neuen Konzeption führe ich hier eine Übersicht über die ständigen Foren ein: Kirche und Gesellschaft; Protestantismus und Kultur; Religion – Religionen – Weltanschauungen; Kreativität; Kirche auf neuen Wegen; Spiritualität; Frauen in Kirche und Gesellschaft.

Bei den Ausschussberichten möchte ich einmal zeigen, dass es bei der Synode neben neuen Sparzielen auch theologische Inhalte geben kann. Der Ausschuss für theologische und liturgische Fragen hat sich mit der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung beschäftigt, die vor der Unterzeichnung am 31. Oktober 1999 noch durch einen erläuternden Anhang (Annex), der jedoch nicht von den Synoden verabschiedet wurde, erweitert worden ist. Auf der Synode erläuterte uns nun Pfarrer Dr. Tim Unger (Vorsitzender d. Ausschusses), welche Punkte des Annexes der lutherischen Lehre widersprechen. Hierbei handelt es sich um die Erläuterung der Formel „simul iustus et peccator“ („Gerechte und Sünder zugleich“), die eher katholisch anmutet, und auch die Definition von „Glaube“. Weiterhin bleibt aber festzustellen, dass die Oldenburger Synode die Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung“ unterstützt, aber weiterhin Klärungsbedarf sieht. Bischof Krug nannte den Akt der Unterzeichnung in Augsburg eine „Euphoriefeier“, an der kein Mitglied des OKR teilnahm.

Der Ausschuss für Mission und Ökumene veranstaltet am 23. September in der HVHS Rastede einen Tag für Mission und Ökumene weltweit und bei uns in Zusammenarbeit mit dem OKR und der Norddeutschen Mission, der im Hinblick auf unsere Frühjahrstagung vielleicht auch für uns interessant werden kann.

Der zweite Tag (bzw. Vormittag) wurde durch eine Andacht von Pfarrer Kunst begonnen, der seinen Gedanken zum Millenium freien Lauf ließ...

Es folgte einer Diavortrag zum Thema „Umbau der Lambertikirche“, der allen Synodalen deutlichen machen sollte, dass die Lambertikirche eine City-Kirche ist. Doch überschütteten sie den Kirchenkreis nicht gleich mit Millionen für einen Umbau, sondern gaben das Lieblingsprojekt unseres Landesbischofs in den zuständigen Kirchenkreis ab. Wir werden sehen, wann uns eine helle Lambertikirche am Marktplatz von Oldenburg verführerisch entgegen strahlt.

Dieses sind einige ausgewählte Punkte der letzten Synode. Den Rest des Tages verbrachte die Synode mit dem Festakt zum 150-jährigen Jubiläum der Kirchenverfassung in der Lambertikirche und der Weser-Ems-Halle. Wie die Synodalen den nächsten Tag verbrachten, kann ich nur vermuten.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen aus Marburg,

Christoph Gerdes.

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