Elf kleine Kirchenkreise, die sollten kooperieren,

doch ließ man diesen Schritt mal weg und machte gleich d’raus Sechs…

 

Noch ein Bericht -  zur Frühjahrssynode 2005 - 9. Tagung der 46. Synode

 

Matthias Bruns

Nachdem Stefan nun schon seine Sicht der Ereignisse [siehe Synodenbericht...] geschildert hat, möchte ich euch meinerseits auch noch einige Wahrnehmungen mitteilen. 

 

Das Geld liegt auf der Straße – man muss sich nur trauen, sich danach zu bücken. Vielleicht müssen wir das lernen.“ So begann Pastor Dieter Qualmann den Bericht der Steuerungsgruppe, welche den Auftrag hat, Beschlussvorlagen vorzubringen, mit denen unsere Landeskirche bis zum Jahre 2010 insgesamt 12,5 Millionen Euro einsparen kann. Dabei machte er deutlich, dass Kirche gleichzeitig ein theologisches, ein organisatorisches und ein finanzielles System [sozusagen eine Trinität] ist. 

 

 

Vier wichtige Fragen müssen wir demnach in Zukunft wesentlich stärker in das Zentrum unseres Interesses stellen:

-         Wie definieren wir verstehbar unseren Auftrag?

-         Was erwarten die Menschen von uns?

-         Entsprechen unsere Strukturen noch der Gesellschaft?

-         Wie können sie weiterhin finanziert werden?

In der Konfrontation mit diesen Fragen brauchen wir also nicht ständig neue Leitbilder, sondern endlich Entscheidungen, welche drei Kernelemente beinhalten müssen:

-         mehr professionelles Arbeiten mit Profil,

-         mehr gemeinsames und vernetzendes Arbeiten

-         und mehr ehrenamtliches Arbeiten fördern!

Die Menschen der ev.-luth. Kirche in Oldenburg müssen bei all diesen Entscheidungen mitgenommen werden, deshalb dankte Pfr. Qualmann explizit den Kritikern der Steuerungsgruppe für die zahlreichen geführten Kontroversen.

Ein weiteres, zentrales und langfristiges Anliegen wird der Weggang von der kameralen zur kaufmännischen Buchführung sein. Synodaler Tönjes brachte diesbezüglich u.a. folgende Fragen auf:

-         „Was kostet uns ein Gottesdienst?“

-         „Was ist er [der Gottesdienst] uns wert?“

-         „Was kostet das Blockhaus Ahlhorn – auch indirekt über die Zuweisungen an Kirchengemeinden, damit diese ihre Konfirmanden dahinschicken können?“

Dem jeweiligen Verhältnis von Preis gegenüber Leistung wird und muss in nächster Zukunft also eine größere Bedeutung in unserer Kirche zukommen. Wir müssen anfangen, bestimmte Leistungen zu bewerten – und dabei auch schlechte Noten verteilen.

Für die Umstellung des Buchführungssystems soll bald eine entsprechende Software angeschafft werden und in die Testphase gehen. Synodaler Eiker kritisiert dabei die Unverbindlichkeit dieser Aussage und das fehlen im Hinblick eines konkreten Termins in Anbetracht der Dringlichkeit und Wichtigkeit. Der Oberkirchenrat gibt als grobes Ziel das Ende des laufenden Jahres an.

Nachdem die Synode auf Vorschlag der Steuerungsgruppe in drei nicht öffentlich tagenden Arbeitsgruppen über die elf verschiedenen Beschlussvorlagen der Steuerungsgruppe beriet, erfolgte noch am späten Nachmittag die Beratung mit Beschlussfassung im Plenum. 

Die Beschlussvorlagen zum kooperativen Gemeindedienst in Nachbarschaftsregionen, zur Förderung und Qualifizierung ehrenamtlicher Arbeit, zum Zuweisungsschlüssel an die Kirchengemeinden, zur Publizistik und Öffentlichkeitsarbeit, zur Struktur und zum Stellenplan der zentralen Dienste, zu Beratungsstellen, zur Struktur des Oberkirchenrats (ab dem 01.07.07 nur noch aus vier Mitgliedern bestehend), zur Reform der Kindertagesstätten und zur kirchlichen Bildungsarbeit wurden mit geringfügigen Veränderungen mit großer Mehrheit angenommen.

Ursprünglich sollte auch eine Beschlussvorlage zur Einrichtung von sechs Kooperationsregionen – gebildet aus unseren elf Kirchenkreisen – abgestimmt werden. Auf einen Änderungsantrag der Steuerungsgruppe hin wurde diese jedoch in ein Verfahren zur Bildung von sechs Kirchenkreisen geändert und mit mehr als 2/3 Mehrheit verabschiedet.

Besonders für mich persönlich interessant war auch die Ergänzung der Beschlussvorlage zur Struktur der Jugendarbeit um eine gegebene Gemeindeanbindung. „Kirchengemeinden müssen und können nicht alles anbieten!“ warnte Synodaler Qualmann, woraufhin der Synodale Giesers entgegnete: „Jugendarbeit darf nicht abgehoben werden; die Jugendarbeiter sollen Jugendarbeit mit der Kirchengemeinde abgleichen.“.

Im Anschluss an die Verabschiedung aller elf, teilweise veränderten, Beschlussvorlagen lobte Synodenpräsident Heinsen die Reformbereitschaft der Synode.

Der zweite Tag begann mit dem Grußwort und der Einladung des Schriftführers – und zugleich obersten Theologen - der Bremischen Kirche Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz (welcher ohne Weserzoll zu entrichten einreisen durfte) zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 2009 nach Bremen[1]

Er kam schnell darauf zu sprechen, dass dieser von den evangelischen Kirchen im Nordwesten gemeinsam gestaltet werden müsse und ohne die ev.-luth. Kirche in Oldenburg nicht zu schaffen sei. Der damalige Oberbürgermeister von Bremen (Henning Scherf) gab im Jahre 1997 die Zusage für einen DEKT in Bremen. Zehn Jahre später konkretisieren sich nun aber die damit verbundenen Probleme. „Ein Fiasko würde zuerst auf die Bremische Kirche, dann auf das Land Bremen und schließlich auf die Region zurückfallen“, so der Schriftführer.  Da diese Äußerung massiven Protest aus den Reihen der Synodalen erntete, zog er sie im direkten Anschluss zurück. So wirbt man keine Verbündeten. Zugleich mit der Bitte um (unsere!) Hilfe machte er jedoch auch klar, dass die Hauptlast beim Büro des Deutschen Evangelischen Kirchentages liegen müsse. Unterstützt wird er dabei (natürlich) von der Bremischen Kirche, von Oldenburg, von Hannover, von der Reformierten Kirche in Niedersachsen, von den evangelischen Freikirchen in Bremen sowie den katholischen Bistümern Bremen, Hildesheim und Osnabrück.

Damit wird dieser DEKT auch ein Kirchentag Oldenburgs - weiter wird er sich unserer schönen Stadt auch wohl nie annähern, daher gilt es diese Chance beim Schopfe zu ergreifen und Profil zu zeigen. An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass es sich bei der o.g. Unterstützung nicht um finanzielle Hilfsleistungen handeln soll. Die o.g. Kirchen werden die notwendigen Räumlichkeiten und die Stadt Bremen und der VBN die Infrastruktur zur Verfügung stellen, so dass der DEKT 2009 erfolgreich vom 20.-24. Mai 2009 in Bremen stattfinden kann.

Am Anfang der Planungen für diesen Kirchentag stehen laut dem Schriftführer mehr Bedenken als Freude, jedoch sollte Kirche seiner Meinung nach nicht nur durch Sparen in den Medien präsent sein, sondern den DEKT als positives Zeichen nutzen. Bisher fand der DEKT nur in Messestädten statt, nun zum ersten Mal in einer „kleinen“ Stadt. Der DEKT wird ein schwergewichtiges Kirchengeschichtliches Ereignis nicht nur in Bremen werden.

Für Oldenburg sitzt Landesjugendpfarrer Karsten Peuster im Lenkungsausschuss des DEKT, es wird aber noch eine Pfarrerin für das Büro der Regionalgeschäftsstelle gesucht.

„Es fällt den Oldenburgern nicht schwer, einen Kirchentag im Oldenburger Umland zu erleben.“ Beantwortete Synodenpräsident Heinsen die „kurze“ Ansprache des Bremischen Schriftführers, welcher daraufhin zum Abschluss entgegnete, dass dessen Durchführung unsere Nachbarschaft fördern und qualifizieren würde.

Den Höhepunkt des Tages bildete jedoch die Wahl eines neuen juristischen Oberkirchenrates, welche wegen der bevorstehenden Pensionierung von OKR Schrader notwendig geworden war. Insgesamt gab es 90 Bewerber, von denen elf der Ausschreibung entsprachen, fünf zu Vorstellungsgesprächen eingeladen wurden und sich schließlich zwei der Synode selbst vorstellen durften. Nach ihrer Vorstellung und Befragung mit einer anschließenden nichtöffentlichen Personaldebatte entschied sich die Synode mit 50 von 56 Stimmen für den 42-jährigen Wolfgang Friedrichs, welcher derzeit noch Kirchenverwaltungsoberrat der Vereinigten Kirchenkreise Dortmund (EKvW) ist. Damit wurde also ein „junger Wilder“ auf die Bank des Oberkirchenrates entlassen und der Auftakt zu einem Generationenwechsel in unserer Kirchenleitung gemacht. 

Die nächste Synodentagung wird vom 16.-18. November stattfinden; dort wird uns wahrscheinlich das nächste große Reformpaket, vor allem in Bezug auf die dringend notwendige Verwaltungsreform, erwarten.

Ich hoffe, mein Synodenbericht  [Seitenanfang...hat euch, zusammen mit dem von Stefan Bölts [weiterer Bericht...], ein eindrückliches und klares Bild  [Fotos... von den Geschehnissen und Neuerungen in unserer Landeskirche bieten können.

 

Matthias Bruns

 

 

 



[1] Natürlich ist der „Deutsche Evangelische Kirchentag“ die offiziell einladende Institution und die Bremische Kirche „nur“ die ausrichtende Institution.

 

 

 6/06 Bölts